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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Hypothese  über  den  Ursprung  des  Privilegium  majus  von  1156.  4  (  1
„sanctum  Romanum  Imperium  adjutoriosum  esse  debet
„quia  ipse  situatus  est  in  uno  fine  Christianitatis  et  omni  tempore  in-„citat
  (im  Schrötter’schen  Abdrucke:  incidat)  et  exercet  opera  Domini
„nostri  Jesu  Christi 1 ),  Damus  et  concedimus  Nos  eidem  in  adjuto-„rium
  et  subsidium  illos  Episcopatus  cum  omnibus  bonis
„ipsorum,  que  hactenus  a  longevis  temporibus  cognominate  sunt  et
„sunt  Juyayia  etLaureacensis,  ita  tarnen,  quod  ille  prenomi-„natus
  Ernestus  Margrafius  et  sui  successores  ac  terra  (Schrötter  hat
unrichtig  terre)  „Austrie  Adyocati  et  Domini  super  illis
„esse  debeant.”  —  Das  ist  das  Hauptziel!  —  Salzburg  und  Passau
sind  dem  Inhaber  der  terra  austrie  unterworfen  sammt  ihren  Gütern,
diese  sind  bestimmt,  zu  dienen  in  adjutorium  et  subsidium
des  Nachfolgers!  —  Freilich  sehr  bequem.  —  Schade,  dass  die  Geschichte ­
  aller  Zeiten  —  bis  auf  Ottokar  herab  —  diesem  Satze  widerspricht, ­
  er  erst  versuchte  es,  und  scheiterte  daran,  —
Es  ist  übrigens  unbegreiflich,  wie  Böhmer  in  seinen  Regesten
(freilich  Ausgabe  von  1831,  jetzt  wird  er  wohl  anders  urtheilen)
von  dieser  Urkunde  sagen  konnte  (S.  86,  Nr.  1721):  „Schon  Petrarca
hat  in  einem  Briefe  an  Kaiser  Karl  IV.  die  Unechtheit  der  hier  bestätigten ­
  Privilegien  (von  Julius  Cäsar  und  Nero)  nachgewiesen,
deswegen  ist  jedoch  die  Bestätigungsurkunde  noch
keineswegs  für  falsch  zu  halten.”  —  Sie  ist  von  vorne
herein  für  falsch  zu  halten,  weil  die  Geschichte  von  Salzburg  und
Passau  ihr  durchaus  widerspricht.  Nicht  nur  war  Salzburg  seit
mehr  als  dritthalbhundert  Jahren  bereits  ein  Erzbisthum  (Arno  der
sechste  Bischof  von  Salzburg  ward  Erzbischof  im  Jahre  800),  sondern ­
  was  die  Hauptsache  ist,  seit  mehr  als  dreihundert  Jahren  gab  es
kein  Bisthum  oder  Erzbisthum  Lorch;  Yivilo  wanderte  bei  dem  Einfalle ­
  der  Hunnen  im  Jahre  737  von  Lorch  nach  Passau,  und  seitdem
blieb  der  Bischofsitz  in  P  assau,  und  zwar  nicht  bloss  der  Sache

*)  Man  bemerke,  wie  in  dieser  Urkunde  die  Phrase:  „eidem  (nämlich  margrafio
Äustriae)  ipsum  sanctum  Romanum  Imperium  adjutoriosum  esse  debet”  ganz
genau  dem  Artikel  10  im  „Majus”  entspricht:  „Imperium  dicto  duci  Äustriae
„contra  omnes  suos  iniuriatores  debet  auxiliari  et  succurrere.”  Us  ist
eben  der  ganze  Cyklus  von  Ansprüchen  und  Gerechtsamen  in  einem  und  demselben ­
  Kopfe  entstanden,  die  Verbindung  und  den  Zusammenhang  untereinander ­
  und  mit  den  Ideen  und  Verhältnissen  der  damaligen  Zeit  nachzuweisen
ist  eben  so  nöthig  als  erspriesslich.  —
            
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