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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Hypothese  über  den  Ursprung  des  Privilegium  majus  von  1156.  4()9

Ich  habe  in  früherer  Zeit  zum  Behufe  meiner  geschichtlichen
Forschungen  den  ganzen  von  dem  verdienstvollen  Doll  in  er  herausgegebenen ­
  „Codex  epistolaris  Ottocari  R.  II.”  genau  studirt  und
excerpirt,  nicht  eine  einzige  Stelle  dieser  wichtigen  Quelle  entgingmir.
Dieser  talentvolle  Notar  Heinrich  von  Isernia  im  Neapolitanischen,
der  mit  widrigen  Schicksalen  und  vielen  Schwierigkeiten  einen  grossen ­
  Zeitraum  seines  Lebens  hindurch  zu  kämpfen  hatte,  der  alles
Mögliche  in  Bewegung  setzte,  seine  Zwecke  zu  erreichen,  und  zu
diesem  Behufe  nicht  bloss  einflussreiche  Empfehlungen  suchte,  sondern ­
  auch  sattsam  schmeichelte  und  intriguirte,  wie  man  aus  so  manchen ­
  Stellen  seiner  Briefe  und  Stylproben  nachweisen  könnte,  war
ein  sehr  eifriger  und  gewandter  Geschäftsmann,  der  vor  seinen  plumperen ­
  und  ungebildeten  Amtsgenossen  sichtbar  hervorragte.  —  Er
wusste  die  Leute  für  sich  einzunehmen,  er  schwang  sich  empor 1 ).
Dieser  schlaue  und,  wie  aus  allen  seinen  Concepten  hervorgeht,
vielseitig  gebildete  Italiener  war  ganz  der  Mann,  in  der  immer
schwieriger  werdenden  Stellung  seines  Herrn  Rath  zu  schaffen,  er
hatte  die  Verhältnisse  desselben  ganz  inne  und  wusste  was  Noth
that.  —
Seit  dem  Jahre  1273  war  insbesondere  die  Stellung  Ottokar’s
gegen  die  geistlichen  Reichsfürsten,  die  Bischöfe  von  Passau,  Regensburg, ­
  Freising,  Bamberg,  vorzüglich  aber  gegen  den  Erzbischof
von  Salzburg,  die  schrofleste  geworden;  Ottokar  wollte  Herr  werden
in  seinem  Gebiete,  ausser  ihm  sollte  keiner  daselbst  unabhängig  sein.
Er  suchte  ihre  Güter  im  Lande  zu  mediatisiren,  diese  geistlichen
Reichsfürsten  waren  es  ja  auch,  die  König  Rudolf  um  Schutz  und
Schirm  anriefen,  die  ihm  die  kräftigste  Hülfe  zu  Ottokar’s  Sturz  gewährten. ­
  —
Es  galt  nun  eben,  dem  Verfahren  und  den  Verhältnissen  König
Ottokar’s  durch  irgend  ein  Document  einen  Nimbus  von  begründetem

*)  Es  wäre  eine  interessante,  in  so  mancher  Beziehung  auch  wichtige  Aufgabe,
die  Concepte  und  Lucubrationen  dieses  Italieners,  aus  denen,  wie  ich  mich
überzeugte,  jedenfalls  die  C  ultu  r-undSittengeschichte  nicht  wenigen
Gewinn  schöpfen  könnte,  möglichst  vollständig  zu  sammeln  und  herauszugeben ­
  ;  D  ol  1  i  n  er  hat,  wie  er  seihst  in  seiner  Einleitung  bemerkt,  nur  die  aui
König  Ottokar  bezüglichen  Briefe  mitgetheilt.  Das  wäre  Aufgabe  eines  jüngeren ­
  Forschers!
            
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