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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph  Chrnel.

nach  einer  besseren  und  gerechteren  Ordnung  der  Dinge,  nach  einem
Regiment  der  Kraft  und  des  Rechtes,  immer  lebendiger.
König  Ottokar,  dessen  Regiment  in  seinen  Landen  besonders
aber  in  den  neu  erworbenen  immer  willkürlicher  und  drückender
geworden,  der  im  Adel  und  den  geistlichen  Reichsfürsten  insbesondere, ­
  die  er  nach  und  nach  in  seinen  Gebieten  zum  unbedingten
Gehorsam  und  zur  Unterwerfung  unter  seine  Herrschaft  zwingen
wollte,  natürlich  lebhafte  Opposition  fand,  ward  immer  misstrauischer ­
  und  argwöhnischer;  er  liess  sich  durch  seine  Leidenschaft
zu  den  eigenmächtigsten,  ja  zu  grausamen  Massregeln  hinreissen.  —
Dadurch  ward  seine  Herrschaft  untergraben,  sein  Ruf  anrüchiger,
seine  Macht  statt  lockender  abstossender,  ja  furchtbarer.
Wir  wissen,  dass  anfänglich  die  Krone  des  römisch-deutschen
Reiches  dem  Könige  Ottokar  II.  angetragen  wurde,  er  verschmähte
sie.  Später,  als  er  aus  so  vielen  Anzeigen  besonders  aber  aus  der
Haltung  der  Kirche  und  des  neuen  Papstes  (Gregor  X.)  die  höhere
Bedeutung  erkannte,  welche  das  neue  weltliche  Oberhaupt  der  deutschen ­
  Nation  erhalten  sollte,  da  der  Papst  einen  kräftigen  Kaiser
wünschte,  bewarb  er  sich  um  die  Wahlstimmen  der  Reichsfürsten.—
Er  fand  keine  Geneigtheit  mehr.
Graf  Rudolf  von  Habsburg  ward  gewählt,  trotz  K.  Ottokar’s  Widerspruch. ­
  —  Als  Papst  Gregor  X.  die  Wahl,  ungeachtet  der  dringendsten
Gegenvorstellungen  der  nachdrücklichsten  und  mannigfachsten  Gegenminen ­
  bestätigte,  ward  Ottokar’s  Stellung  immer  bedenklicher.
Anfänglich  Mitbewerber,  ward  er  nach  der  erfolgten  Anerkennung ­
  (26.  September  1274)  durch  seinen  Widerstand  gegen  den
nunmehr  rechtmässigen  deutschen  König  Untreuer  —  Rebell.  —
Der  nun  anerkannte  König  Rudolf  trat  jetzt  kräftig  auf,  seine
Haltung  gegen  König  Ottokar  ward  eine  entschiedene,  er  zog  den
widerstrebenden  Inhaber  so  vieler  und  so  bedeutender  Reichslehen ­
  zur  Rechenschaft.
Wenige  Wochen  nach  der  päpstlichen  Anerkennung  hielt  König
Rudolf  seinen  ersten  Hoftag  zu  Nürnberg  (Martini-  1274,
11.  November).  Er  legte  den  dort  versammelten  Reichsfürsten  sein
Verhältniss  dar,  er  drang  auf  ihre  Entscheidung;  sie  sollten  bestimmen, ­
  was  sein  Recht  sei,  was  der  widerstrebende  Böhmenkönig'
ihm  gegenüber  zu  erfüllen,  was  im  Falle  des  Ungehorsams  zu  —
gewärtigen  habe.
            
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