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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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v»  K  r  e  in  e  r.

Abü-Dschäfer  Ibn  Ibrahim  der  Mediciner  erzählt  in  seinem
Werke  über  die  Eroberungen  von  Afrika,  dass  Musa  Ibn  Nosair,  als
er  Spanien  eroberte,  befahl:  den  ältesten  Greis  des  Landes  herbeizubringen. ­
  Da  brachte  man  ihm  einen  Greis,  dessen  Augendeckel  mit
einer  Binde  hinaufgebunden  waren  vor  Alter,  und  Musa  frug  ihn:
„Von  wo  bist  du  gebürtig,  o  Scheich!”  Er  entgegnete:  „Von  Kartadschenne,”—
  Da  fuhr  Musa  fort:  Und  was  hat  diese  Stadt  zu  Grunde
gerichtet  und  wie  lautet  die  Sage  von  Kartadschenne?  —  Der  Scheich
erwiderte:  „Es  erbaute  sie  ein  Volk  von  den  Überresten  der  Aditen
und  sie  bewohnten  die  Stadt,  so  lange  es  Gott  gefiel.  Hierauf  lag  die
Stadt  tausend  Jalire  wüste,  bis  Ermin,  der  König,  Sohn  der  Ered,
Sohnes  des  Nimrüd,  sie  neu  aufbaute  und  das  Wasser  auf  Bogen  über
Tliäler  und  Berge  hinleitete,  bis  er  es  in  die  Stadt  Kartadschenne  gelangen ­
  machte.  Mein  Volk  bewohnte  nun  die  Stadt  so  lange  es  Gott
gefiel,  bis  eines  Tages  ein  Mann  an  den  Grundfesten  dieser  Gewölbe
grub.  Da  fand  er  auf  einem  Steine  eine  Inschrift,  welche  lautete:
Diese  Stadt  wird  veröden,  wenn  das  Salz  in  ihr  zum  Vorschein  kommt,
und  während  wir  noch  sasseri,  erzählte  der  Scheich,  siehe  da  keimte
das  Salz  aus  einem  Steine  hervor.  Da  beschauten  wir  dieses  und
bald  ereignete  sieb  dasselbe  in  der  ganzen  Stadt.  Da  reisete  ich  fort
und  kam  hielier.  —  So  weit  der  Scheich.  —
Glaubens  würdige  Männer  erzählen  von  'Abd  -  er  -  Ralimän  -  Ibn-Zijäd-lbn-Enam,
  er  habe  folgendes  berichtet:  „Ich  ging  mit  meinem
Oheim  in  Kartadschenne  herum,  um  die  Ruinen  zu  beschauen  und  die
wundervollen  Bauten  zn  betrachten;  da  fanden  wir  ein  Grab,  auf  den
in  himjaritischer  Schrift  geschrieben  stand:  leb  bin  'Abd-AIlali,  der
Gesandte  Gottes,  Salih;  Gott  sandte  mich  an  die  Bewohner  dieser
Stadt,  auf  dass  ich  sie  zu  Gott  zurückführe,  und  sie  tödteten  mich
ungerechter  Weise  und  ihr  Abrechner  ist  Gott  und  er  ist  der  beste
Stellvertreter.
Dies  ist  ohne  Zweifel  (fügt  unser  rechtgläubiger  Geograph
hinzu),  die  Ursache  des  Unterganges  von  Kartadschenne,  doch  Gott
weiss  am  besten,  was  richtig  ist.
Mit  diesen  Worten  schliesst  unser  Autor  seine  Schilderung  der
Stadt  Kartadschenne  und  ihrer  Alterthümer,  die,  wie  sich  jeder  durch
Vergleichung  überzeugen  kann,  viel  vollständiger  ist,  als  die  in
Quatremere’s  Auszügen  gegebene  Beschreibung  von  'Obeid-AIIahel-Bekri.

            
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