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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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V.  Kl'einer.

Von  besonderem  Interesse  ist  die  Schilderung  der  Stadt  Kartadschenne, ­
  da  sie  uns  ein  ziemlich  genaues  Bild  von  dem  Zustande
der  antiken  Ruinen  daselbst  gibt,  die,  wie  es  nach  der  Beschreibung
unseres  Autors  scheint,  damals  noch  viel  bedeutender  waren  als  jetzt.
Ebenso  beweiset  uns  das  in  der  Einleitung  über  die  Geschichte  der
Stadt  Gesagte,  dass  die  Araber  von  den  Werken  griechischer  und
.römischer  Literatur  nicht  bloss  die  naturhistorischen,  mathematischen
und  philosophischen  kannten,  sondern  auch  die  reinhistorischen  in
guten  Übersetzungen  besassen,  denn  die  hier  gegebene  Stelle  unseres
Autors  ist  offenbar  aus  einem  classisehen  Werke  übersetzt;  —  dieses
beweiset  allein  die  Stelle,  wo  Hannibal  redend  angeführt  wird  und
sagt:  Ich  wollte  die  Spur  der  Römer  von  der  Erde  vertilgen,  doch
jetzt  glaube  ich,  dass  der  Himmel  es  anders  wollte.  Ein  Araber,  als
Muslim,  würde  nie  seinem  Helden,  wenn  er  ihn  sprechend  anführt,
einen  andern  Schwur  in  den  Mund  legen,  als  den:  bei  Gott.  Beim
Himmel  zu  schwören  ist  ganz  ungewöhnlich,  und  die  Anwendung
dieser  Redensart  lässt  sich  nur  dadurch  begründen,  dass  man  annimmt, ­
  es  habe  sich  der  Autor  wahrscheinlich  strenge  an  den  Text
der  arabischen  Übersetzung  aus  dem  griechischen  oder  lateinischen
halten  wollen.  Wir  lassen  nun  unseren  arabischen  Geographen
selbst  sprechen:
Die  Stadt  Kartadschenne  ist  von  Tunis  zehn  Meilen  entfernt  und
die  Hafenstadt  ist  beiden  gemeinsam.  Kartadschenne  ist  eine  der
berühmten  Städte,  und  daselbst  ist  von  Ruinen  und  wunderbaren
Bauresten  so  viel,  wie  in  keinem  Lande  des  Orients  oder  Occidents.
Man  behauptet,  wenn  ein  Mann  diese  Stadt  beträte  und  sein  Leben
damit  zubringen  wollte,  die  Ruinen  zu  beschauen,  so  könnte  er  jeden
Tag  ein  anderes  Wunder  sehen,  das  er  noch  nicht  früher  bemerkt.
Man  erzählt,  dass  derjenige,  der  sie  bewohnte,  ein  mächtiger
gewaltiger  König  war,  der  den  grössten  Theil  der  Erde  beherrschte;
er  hiess  Anbil  (Hannibal);  er  betrat  das  Land  der  Römer,  tödtete
ihre  Grossen,  eroberte  ihr  Land,  und  sandte  nach  Kartadschenne  von
den  Siegelringen  der  getödteten  Grossen  drei  Scheffel.  Es  wird  berichtet, ­
  dass  er  die  Stadt  Rom  (Rümet-el-Kubrä),  welche  die  Hauptstadt ­
  der  Römer  war,  belagerte.  Als  er  sie  berannte  und  ihren  König
in  die  Enge  trieb,  sandte  der  König  von  Rom  einen  seiner  Feldherrn
ab,  und  dieser  versammelte  alle  Römer,  die  in  seinem  Lande  waren
und  die  Heere,  und  befahl,  nach  Afrika  zu  ziehen,  Kartadschenne  zu
            
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