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Ignaz Beidtel.
Religionskriege vorüber war, bekamen die Gemeindeverfassungen,
weil die Staatsgewalt jetzt wenig mein- änderte, von Neuem mehrere
Festigkeit.
Eines der Hauptelemente der Stadt- und Marktverfassungen
waren die verschiedenen Zünfte. Diese batten herkömmlich durch
ihre Vorsteher viel zu sagen. In vielen Orten von Böhmen und Mähren
bestand ein Uebergewiclit der sogenannten Grosshürger über die
Kleinbürger und der Stadtbürger über die Vorstadtbürger. In den
südlichen Gegenden bemerkt man den Einfluss der italienischen
Städtehildung durch die Existenz eines Patriciats, wovon sich zu
Triest und Görz noch manches erhalten hat. Wien hatte ausser seinen
gewöhnlichen Stadtobrigkeiten auch noch einen sogenannten
äussern Rath.
Als Resultat dieser verschiedenen Verhältnisse bemerkt man
gewöhnlich in den Gemeinden grosse Anhänglichkeit an den Wohnort,
eine oft sehr verschiedene Sitte von der Sitte anderer Orte, viel
1 edlichen Sinn, viel Sparsamkeit; aber auch das, was man um das
Jahr 1780 Kleinstädterei oder spiessbürgerliche Gesinnung nannte.
Im Ganzen genommen schlossen aber die Stadt- und Marktgemeinden
ein gutes und rechtschaffenes Volk ein, welches hei einem massigen
Wohlstände nach der Sitte der Väter lebte, und von dem, was sonst
in der Welt vorging, wenig Notiz nahm.
Diese Zustände waren auch, jedoch gewöhnlich mit mehr Rohheit
verbunden, auf den Dörfern zu finden. Sie kamen auch theil—
weise in den ungrischen Provinzen vor, wo sich gleichfalls auf den
in den deutschen Provinzen betretenen Wegen eine Anzahl halbund
ganzfreier Gemeinden gebildet hatten, und in diesem Zustand
fand (1140) Maria Theresia das Gemeindewesen in den österreichischen,
böhmischen und ungrischen Provinzen.
Unstreitig hatte dieser Zustand gute und üble Seiten, doch die
ersteren waren überwiegend. Sie waren aber nicht bloss die Folge
der Communalzustände, sondern vieler zusammenwirkender Ursachen.
Da man in jener Zeit wenig reiste, so waren, Handwerker
ausgenommen, die in ihren Wanderjahren weit herumgekommen
waren, wenig Menschen, welche viel von der Welt gesehen
hatten, oder ein Verlangen hatten, andere Lebensverhältnisse
eingeführt zu sehen. Bei dem Mangel an Fabriken wurde jedes
Gewerbe zunftmässig betrieben und die Zunftordnungen hielten auf