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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Ignaz  Beidtel.

Religionskriege  vorüber  war,  bekamen  die  Gemeindeverfassungen,
weil  die  Staatsgewalt  jetzt  wenig  mein-  änderte,  von  Neuem  mehrere
Festigkeit.
Eines  der  Hauptelemente  der  Stadt-  und  Marktverfassungen
waren  die  verschiedenen  Zünfte.  Diese  batten  herkömmlich  durch
ihre  Vorsteher  viel  zu  sagen.  In  vielen  Orten  von  Böhmen  und  Mähren ­
  bestand  ein  Uebergewiclit  der  sogenannten  Grosshürger  über  die
Kleinbürger  und  der  Stadtbürger  über  die  Vorstadtbürger.  In  den
südlichen  Gegenden  bemerkt  man  den  Einfluss  der  italienischen
Städtehildung  durch  die  Existenz  eines  Patriciats,  wovon  sich  zu
Triest  und  Görz  noch  manches  erhalten  hat.  Wien  hatte  ausser  seinen ­
  gewöhnlichen  Stadtobrigkeiten  auch  noch  einen  sogenannten
äussern  Rath.
Als  Resultat  dieser  verschiedenen  Verhältnisse  bemerkt  man
gewöhnlich  in  den  Gemeinden  grosse  Anhänglichkeit  an  den  Wohnort, ­
  eine  oft  sehr  verschiedene  Sitte  von  der  Sitte  anderer  Orte,  viel
1  edlichen  Sinn,  viel  Sparsamkeit;  aber  auch  das,  was  man  um  das
Jahr  1780  Kleinstädterei  oder  spiessbürgerliche  Gesinnung  nannte.
Im  Ganzen  genommen  schlossen  aber  die  Stadt-  und  Marktgemeinden
ein  gutes  und  rechtschaffenes  Volk  ein,  welches  hei  einem  massigen
Wohlstände  nach  der  Sitte  der  Väter  lebte,  und  von  dem,  was  sonst
in  der  Welt  vorging,  wenig  Notiz  nahm.
Diese  Zustände  waren  auch,  jedoch  gewöhnlich  mit  mehr  Rohheit ­
  verbunden,  auf  den  Dörfern  zu  finden.  Sie  kamen  auch  theil—
weise  in  den  ungrischen  Provinzen  vor,  wo  sich  gleichfalls  auf  den
in  den  deutschen  Provinzen  betretenen  Wegen  eine  Anzahl  halbund
  ganzfreier  Gemeinden  gebildet  hatten,  und  in  diesem  Zustand
fand  (1140)  Maria  Theresia  das  Gemeindewesen  in  den  österreichischen, ­
  böhmischen  und  ungrischen  Provinzen.
Unstreitig  hatte  dieser  Zustand  gute  und  üble  Seiten,  doch  die
ersteren  waren  überwiegend.  Sie  waren  aber  nicht  bloss  die  Folge
der  Communalzustände,  sondern  vieler  zusammenwirkender  Ursachen. ­
  Da  man  in  jener  Zeit  wenig  reiste,  so  waren,  Handwerker
ausgenommen,  die  in  ihren  Wanderjahren  weit  herumgekommen
waren,  wenig  Menschen,  welche  viel  von  der  Welt  gesehen
hatten,  oder  ein  Verlangen  hatten,  andere  Lebensverhältnisse
eingeführt  zu  sehen.  Bei  dem  Mangel  an  Fabriken  wurde  jedes
Gewerbe  zunftmässig  betrieben  und  die  Zunftordnungen  hielten  auf
            
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