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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof,  Zimmer  mann.

schiedener  Lage  zurückgeworfen,  in  jedem  derselben  ein  anderes
Bild  gewähren  muss,  wie  „eine  und  dieselbe  Stadt,  yon  verschiedenen
Seiten  aus  angesehen,  immer  als  eine  andere  und  gleichsam  vervielfältigt ­
  erscheint,  so  kann  es  geschehen,  dass  es,  wegen  der  unendlichen ­
  Menge  einfacher  Substanzen,  eben  so  viele  verschiedene
Welten  zu  geben  scheint,  die,  genauer  besehen,  nichts  Anderes  sind,
als  die  mannigfaltigen  Ansichten  der  einzigen  von  den  verschiedenen
Standpuncten  der  einzelnen  Monaden  aus  angeschauten  Welt.”
(Monadol.  §.  37.)  Referent  hat  an  einem  anderen  Orte  (Leibnitz’
Monadologie  deutsch  u.s.  w.  Wien  1847,  S.  32)  Leibnitzens  Anschauung ­
  des  Weltalls  mit  einem  Mosaikbilde  verglichen,  darin  jedes
Steinchen  eine  durch  seine  Verhältnisse  zum  Ganzen  und  allem
Übrigen  genau  festgesetzte  Stelle  einnimmt  und  keine  andere  einnehmen ­
  darf,  wenn  die  Harmonie  des  Ganzen  im  Totalbilde  erreicht
werden  soll.  Jedes  Steinchen  hat  durch  seine  Lage  bestimmte  Beziehungen ­
  zu  jedem  anderen,  so  wie  zum  ganzen  Bilde;  eine  vollkommene ­
  Intelligenz  müsste  daher  im  Stande  sein,  aus  der  Lage
eines  einzigen  Theilchens  sich  die  nothwendig  dazu  gehörige  Lage
aller  übrigen  und  des  ganzen  Bildes  zu  erzeugen,  ebenso,  wie  Diderot ­
  behauptete,  aus  der  erhaltenen  Fusszehe  einer  Venus  deren  ganze
Statue  reproduciren  zu  können.  Jedes  Steinchen  drückt  dergestalt  das
Ganze  aus,  aber  jedes  aus  einem  anderen  Gesichtspunct,  und  wie  mit
Leibnitz  (in  der  oben  citirten  Stelle  des  Briefes  an  Clarke)  zu
reden:  Jede  einfache  Substanz  ist  vermöge  ihrer  Natur,  so  zu  sagen,
une  concentration  et  un  miroir  vivant  de  tout  Vunivers  suivant
son  point  de  vue.”
Die  Art  und  Weise,  wie  jede  Monas  das  Universum  von  ihrem
Standpuncte  aus  wiederspiegelt,  lässt  uns  noch  tiefer  in  die  Verwandtschaft ­
  zwischen  Cusa-s  und  Leibnitzens  Ansichten  hineinblicken.
Des  C  us  an  er  s  Weltansicht  kennt  kein  Leeres,  die  Leibnitz’sche
ebenso  wenig.  Nach  Nico  laus  sind  alle  einzelnen  Dinge  die
stetige  Entfaltung  des  Alls,  nach  Leibnitz  lliessen  alle  geschaffenen ­
  Substanzen  in  Gott,  als  ihrem  Urquell,  in  Eins  zusammen.  So
wie  nach  der  Meinung  unseres  Cardinais  jedes  Einzelding  seinem
wahren  Wesen  nach,  welches  Gott  ist,  mit  allen  Anderen  Eins  ist,  so
lässt  Leibnitz  jede  Monas  durch  das  ewige  Band  ihrer  von  der
Gottheit  angeordneten  Beziehungen  zu  jedem  Anderen  und  zum  ganzen ­
  Universum  mit  allen  Theilen  desselben  in  Verbindung  stehen.
            
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