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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Zimmermann.

er  nichts  ausser  sich  hat,  das  von  ihm  unabhängig  wäre  und  selbst
nur  die  Folge  der  Möglichkeit  seines  eigenen  Wesens  ist,  auch  keiner
Grenzen  fähig  ist,  daher  wenn  er  überhaupt  Realität  besitzt,  auch
alle  nur  irgend  mögliche  Realität  besitzen  muss.  Daher  ist  Gott  allein
absolut  vollkommen  (d'une  perfection  absolumerit  infinie),
schrankenlos;  die  Geschöpfe  dagegen  nur  relativ  vollkommen,
in  sofern  sie  an  der  Vollkommenheit  Gottes  Theil  haben,  und  beschränkt, ­
  in  sofern  sie  ihre  eigene  Natur  an  sich  haben.  Darin
besteht  ihr  Unterschied  von  der  Gottheit.”  (Monadol.  §.  42.)  Gott
ist  ferner  „die  Quelle  nicht  allein  des  Seins  (existence),  sondern
auch  des  Wesens  (essencey  d.  i.  der  Wirklichkeit  sowohl  als  der
Möglichkeit,  so  dass  es  ohne  ihn  „nichts  Reelles  in  der  Möglichkeit,
nicht  nur  nichts  Existirendes,  sondern  auch  nichts  Mögliches  gibt.”
(Ebend.)
Diese  Ansicht  entspricht  genau  der  Grundlehre  Cusa  ’s.  Er,  wie
Leibnitz  (Monadol.  §.  47),  nennt  die  Gottheit  die  „ursprüngliche
Einheit,”  die  einfache  ursprüngliche  Substanz,  deren  Production  nach
Cusa  alle  einzelnen  Dinge  (das  All),  nach  Leibnitz  alle  „abgeleitete ­
  oder  geschaffene  Monaden  (kleinste  Wirkliche,  Atome  bei
Cusa)  sind,  die  nach  Cusa  durch  (nicht  pantheistisch  zu  nehmende)
Emanation,  nach  Leibnitz  von  Moment  zu  Moment  durch  beständige ­
  Ausstrahlungen  (Fulguration)  der  Gottheit  entstehen,  deren
Thätigkeit  nach  Cusa  nur  durch  die  „wesentlich  eingeschränkte
Natur”  der  Dinge,  nach  Leibnitz  durch  die  „wesentlich  begrenzte
Empfänglichkeit  der  Creatur”  beschränkt  ist.
Die  Ansicht  Cusa’s,  dass  die  Eigenschaften,  welche  der  Gottheit ­
  unb  e  dingt,  den  übrigen  Dingen  nur  bedingt  zukommen,
und  dass  sonach  die  Einzeldinge  Verähnlichungen  der  Gottheit  seien,
spricht  Leibnitz  in  den  Worten  aus  (Monadol.  §.  48),  dass  die
Eigenschaften  der  höchsten  Erkenntniss  und  des  vollkommensten
Willens  in  Gott  demjenigen  entsprechen,  was  in  den  Geschöpfen  das
Subject  und  die  Grundlage  ausmacht,  dem  Vorstellungs-  und  Begehrungsvermögen. ­
  In  ihm  sind  sie  absolut,  unendlich  vollkommen,
während  sie  in  der  geschaffenen  Monas  blosse  Nachbildungen  der
Seinigen  nach  Massgabe  der  jedesmaligen  Vollkommenheitsstufe  der
Monas  sind.  Keine  Monas  daher  drückt  das  gesammte  Wesen  der  Gottheit ­
  aus,  sonst  „wäre  sie  Gott,”  sondern  jede  nach  ihrer  eigenen  individuellen ­
  Natur  und  nach  der  Stelle,  die  sie  im  Weltganzen  einnimmt.
            
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