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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Über  die  Philosophie  des  Cardinais  Cusanus.

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immer  gleich  bleibend,  in  jeglichem  Dinge  auf  dessen  besondere
Weise  sich  darstellt.  (De  doct.  ign.  I.  II,  c.  V,  fol.  XVI,  b.)
So  ist  Jegliches  in  Jeglichem  und  Gott  ist  in  Allem;  stellt  jeder
Tlieil  das  Ganze  dar,  erscheint  Gott  in  der  Welt  und  die  Welt
in  jedem  ihrer  Theile  auf  eigenthiimliche  Weise.  Wie  zwischen
Gott  und  der  Welt  Beziehungen  stattfinden,  vermöge  deren  Gott
das  uneingeschränkte  All  und  das  All  die  eingeschränkte  Gottheit ­
  ist,  so  finden  zwischen  jedem  Theile  der  Welt  und  dem  ganzen
Universum  ähnliche  Statt,  vermöge  welchen  Jegliches  im  All  das
All  selbst;  dieses  Letztere  in  Jeglichem  auf  verschiedene  Weise
und  Jegliches  endlich  auf  verschiedene  Weise  im  All  ist.  „Was  ist
also  die  Welt  als  des  unsichtbaren  Gottes  sichtbare  Erscheinung?
Was  Gott,  als  des  Sichtbaren  Unsichtbarkeit?”  (Dial.  de  gossest,
fol.  183,  a.)
Wenn  dergestalt  das  All  in  Allem  und  in  Jeglichem  auf  verschiedene ­
  Weise  ist,  so  folgt,  dass  es  so  viele  Abbilder  des  Alls,
deren  j§des  vom  andern  verschieden  ist,  geben  muss,  als  es  Einzeldinge ­
  (individua)  gibt,  in  deren  Jeglichem  sich  das  All  nach  seiner
Weise  offenbart.  Es  folgt  ebenso  daraus,  dass  nicht  zwei  Individuen
einander  vollkommen  gleieh  sein  können,  weil  in  Jedem  sich  das  AU,
dessen  eingeschränkte  Darstellung,  auf  eine  von  jedem  Andern  sich
unterscheidende  Weise  sich  darstellen  muss.  Denn,  da  das  All  nur  in
eingeschränkter  endlicher  Weise  ist,  so  muss  Jegliches  in  selbem
zwischen  den  beiden  Endpuncten  der  Einschränkung,  dem  Grössten
und  dem  Kleinsten,  liegen,  welche  in  der  Gottheit  in  Eins  zusammen-"fallen.
  Über  jeden  Grad  der  Einschränkung  hinaus  kann  es  in  Gedanken ­
  einen  grösseren  oder  kleineren  geben,  aber  nicht  in  Wirklichkeit. ­
  Hier  muss  es  sowohl  ein  der  That  nach  seiner  Kleinheit ­
  wegen  Untheilbares,  Atome  geben,  als  in  der  Menge  eine
bestimmte  Zahl,  das  All.  Für  jede  Gattung,  jede  Art,  jedes  Einzelding ­
  kann  es  höhere  und  niedere  in  Gedanken,  in  Wirklichkeit  aber
muss  es  unterste  Gattungen,  unterste  Arten  und  Individuen  geben,
unterhalb  welchen  Andere  wohl  denkbar  aber  nicht  wirklich  sind.
Nichts  ist  im  Weltall,  das  sich  nicht  einer  besonderen  Eigenthümlichkeit,
  die  sonst  an  keinem  Andern  wiederzufinden  ist,  erfreute,
und  in  keinem  Einzelding  stimmen  die  es  dazu  machenden  Gründe
(principia  individuantiaj  in  gleich  harmonischen  Verhältnissen
wie  in  irgend  einem  nderen  zusammen,  damit  Jegliches  durch  sich
            
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