Über die Philosophie des Cardinais Cusanus.
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ihre letzten Gründe in ihr haben, und dass alle nur durch Grade, die
zwischen den äussersten Gliedern des Gegensatzes liegen, also durch
Einschränkung des Schranken-, Begrenzung des Grenzenlosen, Verendlichung
des Unendlichen entstehen können. Gott das schlechthin
? Selhige, das Seiende, Eine, Unendliche, die Form aller Formen steigt
zu dem Nichtselbigen, Nichteinen, zur Vielheit, die nur ist, sofern
sie an der Einheit Theil hat, hernieder, und so entsteht die Mehrheit
der Formen, deren jede auf andere Weise Theil an dem Selhigen
hat. Die Ordnung und Harmonie, die in der Vielheit und Mannigfaltigkeit
dieser Formen herrscht, deutet übereinstimmend daraufhin,
dass deren Jede an dem wahren Sein, an der zu Grunde liegenden
Einheit Theil hat, und diese Übereinstimmung ist die Verähnlichung
des Vielen mit dem Einen. So ist die Welt als xoapog als geordnete
mannigfaltige Darstellung des unerreichbar Selhigen. Jede Form ist
sich selber gleich und von jeder andern verschieden; jede aber stellt
auf besondere Weise das Abbild der höchsten Form dar, und in ihrer
unerreichbaren Mannigfaltigkeit spiegelt sich die Unerreichbarkeit
der absoluten Form. So verhält sich vergleichungsweise Gott als die
unendliche Form zu den Formen der endlichen Dinge, wie sich das
durch keine Farbe erreichbare reine Licht zu den in den Farben
mitgetheilten Lichtern verhält. (De dato patris luminum 1.
fol. 194, a.)
So ist die Welt das Bild Gottes, in welchem wir in einem Buche
geistig die Gedanken der Gottheit lesen sollen. „Wie das Sein der
Hand ihr wahreres Sein hat in der Seele als in der Hand, weil die
Seele das Leben und die todte Hand keine Hand mehr ist, und der
ganze Körper das wahrere Sein seiner Glieder, ebenso verhält sich
das Universum zu Gott, von dem Einzigen abgesehen, dass Gott nicht
die Seele der Welt ist.” (Dial. de passest, fol. 175, b.) Das wahre
Sein der Welt ist daher in Gott, und nur dann haben wir das Sein
eines Dinges vollkommen begriffen, wenn wir es im Zusammenhänge
mit dem höchsten Sein, mit dem Sein der Gottheit begriffen haben,
t» Und wie in der Zahl, welche die Einheit entfaltet, nichts gefunden
wird als die Einheit, so wird in Allem, was ist, nichts gefunden als
das Grösste.
Das All daher dessen, was ist, ist Alles, was Gott ist, denn es
ist das Abbild Gottes, nur auf eingeschränkte, d. i. demWesen
Gottes entgegengesetzte Weise. Was diesem unbedingt, kommt