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Prof. Zimmer m a n n.
Alles setzt Gegensätze voraus. Wäre Gott das Sein, so wäre er dies
nur im Gegensatz gegen das Nichtsein, wäre er unendlich, so wäre
er dies nur im Gegensatz gegen das Endliche; er ist aber was er ist
ohne allen Gegensatz, denn er ist schrankenlos und die Einheit aller
Gegensätze. Von ihm muss Alles bejaht und Alles verneint werden;
er ist als Princip aller Dinge Alles und zugleich Nichts von Allem,
weil er keine von den Einschränkungen an sich trägt, durch welche
ein Etwas zum besonderen Etwas wird.
Es folgt daraus, dass wir von Gott uns keinen Begriff machen
können, denn jeder Begriff ist Einschränkung seines Wesens; dass
ferner alle Bestimmungen, die wir von demselben kennen, nur negativ
sind, dass Gott nur durch ein „Nichtwissen” erkannt wird.
Diese Ansichten verrathen deutlich Cusa’s Bekanntschaft mit
dem Neuplatonismus, dem er doch wie wir sehen werden alsobald
untreu wird. Als Princip alles Könnens sowohl als alles Seins kann
Gott kein anderes Princip neben sich haben. Die Welt also der
Geschöpfe, die von der Gottheit so weit abstehen wie das Sichtbare
vom Unsichtbaren kann nur aus ihm und durch ihn sein, ln ihm
ist die Möglichkeit und Wirklichkeit der Dinge vereint. Die Möglichkeit
aber ist die erste Materie (der Urstoff) der Dinge. Daher ist die
Welt der Materie nach ewig, nam quin mundus potuit crectri,
Semper fuit ipsius essendi possibilitas, Sed essendi possibilitus
in sensibilibus materia dicitur. Fuit igitur sernper muteria; et
quia nunquam creata, igitur increata, quare principium aeternum.
(Dial. de possest. fol. 178, a. I. vol. Par. Ausgabe.^
Nur die sinnliche Materie, welche in der Welt ist, ist geschaffen;
die höhere, die Möglichkeit aller Dinge, welche in Gott ist, ist ewig.
Daher ändert sich Gott nicht, auch dann nicht, wenn er die Welt
schafft, denn die Möglichkeit der Dinge ist mit ihrer Wirklichkeit
Eins. Erverändert sich auch nicht, indem er sie regirt, denn die
ewige Vorsehung, mit welcher er Alles beherrscht, bleibt immer dieselbe:
„sive enhn illiquid fecerimus aliquid, sive eius oppositum
uut nihil, tot um in dei providentia implicitum fuit; nihil
igitur nisi secundum dei providentiam eveniet." (De docta
ign. I. I, c. XXII, fol. IX, b.)
Ist die Gottheit das Princip aller Dinge, ist sie ferner das allein
Schrankenlose, Unendliche, die wahre Einheit, welche zugleich
weder grösser noch kleiner werden kann, so folgt, dass alle Dinge