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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Zimmer  m  a  n  n.

Alles  setzt  Gegensätze  voraus.  Wäre  Gott  das  Sein,  so  wäre  er  dies
nur  im  Gegensatz  gegen  das  Nichtsein,  wäre  er  unendlich,  so  wäre
er  dies  nur  im  Gegensatz  gegen  das  Endliche;  er  ist  aber  was  er  ist
ohne  allen  Gegensatz,  denn  er  ist  schrankenlos  und  die  Einheit  aller
Gegensätze.  Von  ihm  muss  Alles  bejaht  und  Alles  verneint  werden;
er  ist  als  Princip  aller  Dinge  Alles  und  zugleich  Nichts  von  Allem,
weil  er  keine  von  den  Einschränkungen  an  sich  trägt,  durch  welche
ein  Etwas  zum  besonderen  Etwas  wird.
Es  folgt  daraus,  dass  wir  von  Gott  uns  keinen  Begriff  machen
können,  denn  jeder  Begriff  ist  Einschränkung  seines  Wesens;  dass
ferner  alle  Bestimmungen,  die  wir  von  demselben  kennen,  nur  negativ
sind,  dass  Gott  nur  durch  ein  „Nichtwissen”  erkannt  wird.
Diese  Ansichten  verrathen  deutlich  Cusa’s  Bekanntschaft  mit
dem  Neuplatonismus,  dem  er  doch  wie  wir  sehen  werden  alsobald
untreu  wird.  Als  Princip  alles  Könnens  sowohl  als  alles  Seins  kann
Gott  kein  anderes  Princip  neben  sich  haben.  Die  Welt  also  der
Geschöpfe,  die  von  der  Gottheit  so  weit  abstehen  wie  das  Sichtbare
vom  Unsichtbaren  kann  nur  aus  ihm  und  durch  ihn  sein,  ln  ihm
ist  die  Möglichkeit  und  Wirklichkeit  der  Dinge  vereint.  Die  Möglichkeit ­
  aber  ist  die  erste  Materie  (der  Urstoff)  der  Dinge.  Daher  ist  die
Welt  der  Materie  nach  ewig,  nam  quin  mundus  potuit  crectri,
Semper  fuit  ipsius  essendi  possibilitas,  Sed  essendi  possibilitus
in  sensibilibus  materia  dicitur.  Fuit  igitur  sernper  muteria;  et
quia  nunquam  creata,  igitur  increata,  quare  principium  aeternum.
  (Dial.  de  possest.  fol.  178,  a.  I.  vol.  Par.  Ausgabe.^
Nur  die  sinnliche  Materie,  welche  in  der  Welt  ist,  ist  geschaffen;
die  höhere,  die  Möglichkeit  aller  Dinge,  welche  in  Gott  ist,  ist  ewig.
Daher  ändert  sich  Gott  nicht,  auch  dann  nicht,  wenn  er  die  Welt
schafft,  denn  die  Möglichkeit  der  Dinge  ist  mit  ihrer  Wirklichkeit
Eins.  Erverändert  sich  auch  nicht,  indem  er  sie  regirt,  denn  die
ewige  Vorsehung,  mit  welcher  er  Alles  beherrscht,  bleibt  immer  dieselbe: ­
  „sive  enhn  illiquid  fecerimus  aliquid,  sive  eius  oppositum
  uut  nihil,  tot  um  in  dei  providentia  implicitum  fuit;  nihil
igitur  nisi  secundum  dei  providentiam  eveniet."  (De  docta
ign.  I.  I,  c.  XXII,  fol.  IX,  b.)
Ist  die  Gottheit  das  Princip  aller  Dinge,  ist  sie  ferner  das  allein
Schrankenlose,  Unendliche,  die  wahre  Einheit,  welche  zugleich
weder  grösser  noch  kleiner  werden  kann,  so  folgt,  dass  alle  Dinge
            
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