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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Zimmermann.

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allen  Völkern  ins  Herz  gepflanzt  habe,  durch  deren  Mannigfaltigkeit
den  Grund  zur  Misshelligkeit  und  zum  Streite  in  dieselben  gelegt
habe.  „Lass  geschehen,”  spricht  der  Älteste  der  Gesandten,  „dass  so
wie  Du  ein  Einiger  bist,  auch  nur  Eine  Religion  und  ein  Gottesdienst
auf  Erden  Platz  greife.”  Auf  des  menschgewordenen  Logos  Vorbitte
beruft  hierauf  der  König  des  Himmels  eine  Versammlung  der  Weisesten ­
  aller  Völker  zu  Jerusalem.  Juden,  Türken  und  Tataren,
Griechen,  Araber  und  Italiener  geben  ihre  Namen  ab,  und  das  Ende
ist,  sie  Alle  bekennen  sich  zu  einer  und  derselben  Wahrheit.  „Non
est,”  heisst  es  dort,  „nisi  una  religio  in  rituurn  varietate;  licet
appareat  diversitas  dictionis,  est  tarnen  una  in  —  sententia.”
Ein  Wort  sehr  kühn  für  seine,  ein  kühnes  für  alle  Zeiten.
Die  Parallele  lässt  sich  noch  weiter  führen.  Wie  in  dem
deutschen  Cardinal  sich  im  seltenen  Vereine  der  Theolog,  der  Denker
und  der  Mathematiker  begegnen,  so  bricht  in  dem  Weisen  des  siebzehnten ­
  Jahrhunderts  das  Genie  sich  auf  den  gleichen  Gebieten
schöpferische  Bahnen.  Wie  es  beinahe  keine  wissenschaftliche
Bestrebung  der  Neuzeit  gibt,  mag  sie  dem  philosophischen,  theologischen, ­
  mathematischen  oder  naturwissenschaftlichen  Felde  angehören, ­
  deren  Spur  und  Ahnung  nicht  schon  in  den  Werken  Leibnitzens
  angetroffen  würde,  so  steht  auch  der  scharfsinnige  Cardinal
yon  St.  Peter  de  vincidis  zu  Rom  als  ein  Mann  da,  in  dessen  Geist
die  glänzendsten  Entdeckungen  der  Nachwelt  wie  im  Keime  schlummerten. ­
  Eine  der  ersten  Zierden  unserer  Zeit,  Ehrenberg,  hat
Leibnitzen  das  gewichtige  Zeugniss  ausgestellt,  dass  seine  Monadenlehre ­
  den  Entdeckungen  der  Welt  des  kleinsten  Lebens  wesentlich
den  Weg  gebahnt  habe.  Ein  nicht  weniger  ehrenvolles  Zeugniss  gab
erst  vor  kurzem  (in  der  2.  Abtheilung  des  III.  Bandes  seines  Kosmos)
Alexander  von  Humboldt  unserem  Nicolaus  von  Cusa.
Wenn  es  auch  irrig  ist,  wie  man  anfänglich  glaubte,  dass  Nicolaus
von  Cusa  das  Cop  er  ni  Iranische  Weltsystem  zuerst  aufgestellt
und  dieser  es  von  ihm  entlehnt  habe,  so  ist  doch  so  viel  gewiss,  dass
er  zuerst  die  Bewegung  der  Erde  gelehrt  habe.  Merkwürdiger  noch
ist  es,  dass  der  Cardinal,  wie  Clemens  sehr  richtig  bemerkt,
beinahe  „divinatorisch”  diejenige  Construction  des  dunklen  Sonnenkörpers ­
  und  jener  drei  theils  feurigen,  theils  atmosphärischen  Umhüllungen ­
  geahnt  hat,  welche  Arago  184S  zuerst  ausgesprochen
und  die  neuerlichen  Sonnenfinsternissbeobachtungen  als  die  wahr-
            
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