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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Zimmermann.

seits,  als  eine  Art  Heimweh  zu  erkennen  gab.  Es  werden  nun  die  Qualität
und  Quantität  der  Buss-  und  Bittzähren  und  der  sie  begleitenden
Geberden  besprochen,  die  psychischen  und  physischen  Mittel  aufgezählt, ­
  durch  die  man  den  Erguss  religiöser  Zähren  zu  wecken  oder
zu  steigern  suchte.  Der  heutige  Vortrag  gelangt  endlich  bis  zu  jener
Zeit,  in  der  Manche  diese  Thränen  zu  heucheln  sich  beigehen  Hessen.

Der  Cardinal  Nico/aus  Cusanus  als  Vorläufer  Leibnitzens.
Vom  Hin.  Professor  Zimmer  mann.
In  den  neueren  Lehrbüchern  der  Geschichte  der  Philosophie
wurde  noch  vor  kurzem  in  der  merkwürdigen  Periode,  die  das
Wiedererwachen  des  Alterthums  und  den  Anbruch  einer  neuen  Morgenröthe
  der  Wissenschaften  verkündigt,  neben  den  gefeierten  Namen
eines  Cardinais  Bessarion,  eines  Marsilius  Ficinus,  eines
Pico  von  Mirandola,  Beuchlin,  Pomponatius,  Giordano
Bruno,  Campanella,  nur  selten  und  flüchtig  der  Cardinal  Nicolaus ­
  von  Cusa  genannt.  Sein  Name  verschwand  in  der  dichten
Finsterniss,  in  welcher  man  in  der  Epoche  der  sogenannten  Aufklärung ­
  das  gesammte  Mittelalter  und  insbesondere  dessen  philosophische
Bestrebungen  vergraben  wähnte,  und  die  um  so  greller  gegen  das
Licht  abstach,  das  ein  Jahrhundert  später  plötzlich  aufgegangen  sein
sollte.  Der  neuesten  Zeit  blieb  es  Vorbehalten,  die  Vergangenheit
gerechter  und  unparteiischer  zu  beurtheilen  und  in  der  Geschichte
der  Wissenschaft  wie  in  jener  der  Völker  den  folgenschweren  Satz
anzuerkennen,  dass  die  Natur  keinen  Sprung  in  ihrer  Entwickelung
duldet.  Man  fing  an  einzusehen,  dass  der  Baum  der  Erkenntniss,  der
so  plötzlich  in  Blüthe  stand,  seine  Wurzeln  bis  tief  in  die  Vorzeit
gestreckt  habe,  und  dass  wer  die  Gegenwart  begreifen  wolle,  die
Vorwelt  verstanden  haben  müsse.  So  ward  es  klar,  dass  die  neuere
Philosophie,  deren  Beginn  man  übereinstimmend  in  die  Zeit  eines
Descartes  und  Bacon  von  Verulam  setzte,  nicht  mit  einem
Schlage  sich  gebildet  haben  könne,  und  die  Keime  ihrer  Weltanschauung ­
  in  ihren  Vorgängern  längst  gefunden  werden  müssten.
Dieser  Einsicht  ist  es  zu  verdanken,  dass  zunächst  der  Übergangsperiode ­
  aus  der  Scholastik  zur  neueren  Philosophie  ein  aufmerksames
Studium  zugewendet,  dass  die  traditionell  gewordenen  Schriften  eines
            
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