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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur  Vorgeschichte  des  Jahres  1809  in  Tirol.

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gung  der  Wirren  hingearbeitet.  Auf  eine  Anfrage  des  Bischofs  von
Chur,  in  wieferne  ihm  den  Forderungen  der  baierischen  Regierung
nachzugeben  erlaubt  sei  oder  nicht,  hatte  Pius  VII.  unter  dem  16.
Jänner  ihn  sehr  gelobt,  dass  er  bisher  nichts  abgetreten  ;  der  Papst
gab  ihm  das  Versprechen,  ihm  bald  anzukündigen,  was  mit  Baiern
in  bereits  eingeleiteten  Unterhandlungen  ausgemacht  werden  würde.
Diese  Unterhandlungen  müssen  sich  aber  zerschlagen  haben;  denn
unter  dem  7.  Mai  erhielt  Karl  Rudolph  ein  Breve,  worin  ihm  jede
Abtretung  oder  Delegation  bestimmt  untersagt,  sein  und  des  Vintschgauer
  Klerus  bisheriges  Benehmen  hoch  gerühmt  und  beide  zur  fernem ­
  Standhaftigkeit  ermuntert  wurden.  Erst  unter  dem  9.  Juli  finde
ich  wieder  eine  Breve,  worin  der  Papst  dem  Bischöfe  von  Chur  ankündigt, ­
  dass  er  den  König  von  Baiern  um  einen  Gesandten  zur  Beilegung ­
  der  kirchlichen  Wirren  ersucht  habe,  um  den  Leiden  der  Bischöfe ­
  von  Chur  und  Trient  ein  Ende  zu  machen.  Da  inzwischen  die
Stimmung  in  Tirol,  wie  wir  gesehen,  eine  Wendung  genommen,  die
bedenklich  wurde,  und  der  Ausbruch  eines  Aufstandes  das  baierische
Cabinet  vorzüglich  wegen  des  Eindruckes,  den  ein  solcher  Fall  auf
die  französische  Regierung  machen  musste,  in  Verlegenheit  gesetzt
hätte,  kam  Baiern  den  Anträgen  Roms  entgegen,  und  den  Zerwürfnissen ­
  wurde  dadurch  ein  Zie1g  e  s  e  t  z  t,  dass  der
abgerissene  Chur  er  Theil  durch  päpstliche  Entschliessung
  vom  7.  Sept.  1808  an  das  Bisthum  Br  ixen
übertragen  wurde.
Baiern  stand  also  nach  beinahe  dreijährigen  Stürmen  und
Umwälzungen  dort,  wo  es  sich  gleichs  Anfangs  hätte  hinstellen
können,  nämlich  bei  einer  im  Einverständnisse  mit  Rom  getroffenen
neuen  Bisthums-Eintheilung,  ohne  erst  durch  falsch  berechnete  Massregeln
  sich  an  den  Bischöfen  zu  vergreifen,  altbestandene  kirchliche
Verhältnisse  eigenmächtig  über  den  Haufen  zu  werfen,  die  Gemüther
zu  verletzen,  sich  selbst  im  Lande  verhasst  zu  machen,  und  die  Ereignisse ­
  vorzubereiten,  welche  sechs  Monate  später  mit  so  schwerem
Schlage  über  die  baierische  Regierung  in  Tirol  hereinbrachen.
Ich  glaube  somit  meinen  Anfangs  ausgesprochenen  Satz  gerechtfertigt ­
  und  nachgewiesen  zu  haben,  aus  welcher  Quelle  das
Jahr  1809  in  Tirol  hervorging.  Nicht  weniger  wird  man  die  Erscheinung ­
  begreiflich  finden,  warum  in  den  Tagen  und  Thaten  des  Jahres
1809  gerade  die  sonst  so  harmlosen  und  gutmüthigen  Männer  des
            
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