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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Jäger.

marsch  hat  den  Trotz  der  Bauern  erstickt,  und  die  Ruhe  scheint  im
Thale  Passeyr  dauerhaft  hergestellt  zu  sein.  Wenige  Beispiele
dieser  Art  werden  hinreichen,  das  Ansehen  der  Regierung  in  Tirol
gegen  alle  Versuche  der  Widersetzlichkeit  sicher  zu  stellen.  Überhaupt ­
  ist  seit  dem  Einmärsche  einer  beträchtlicheren  Militärmacht  die
Verbindung  der  Widerspenstigen  unter  sich  lockerer  geworden;  Ew.
Kön.  Majestät  werden  sich  neuerdings  überzeugen,  dass  das  General-Landes-Commissariat
  jederzeit  nach  Wahrheit  und  Pflicht  gesprochen, ­
  wenn  es  behauptete,  dass  Energie,  Muth  und  Beharrlichkeit
der  Regierung  in  diesem  Lande  Alles  vermögen.”
Nicht  so  verblendet  waren  hingegen  einige  der  Bessergesinnten
unter  den  eingeschobenen  Priestern,  und  unter  ihnen  vorzugsweise
Koch  zu  Meran.  Schon  jene  Conferenz  mit  dem  Klerus  hatte  ihn  so
erschüttert,"  dass  er  am  11.  Juli  die  Resignation  der  Pfarre  Meran  an
das  General-Landes-Commissariat  einsandte,  die  aber  nicht  angenommen ­
  wurde.  Unter  dem  15.  Juli  erhielt  er  hierauf  ein  Schreiben  des
Bischofs  von  Chur,  worin  dieser  seine  Verwunderung  ausdrückte,  wie
Koch,  den  er  bisher  für  einen  ehrlichen  Mann  gehalten,  es  wagen
könne,  in  einer  fremden  Diöcese,  ohne  Bewilligung  des  Bischofs,
pfarrliche  Functionen  auszuüben.  Karl  Rudolph  kündigte  ihm  sodann
mit  aller  Förmlichkeit  die  Suspension  an,  woferne  er  seine  falsche
Stellung  länger  einzunehmen  fortfahre.  Koch  weinte  hierüber  einen
ganzen  Tag  lang,  schrieb  an  das  General-Vicariat  von  Trient  bittere
Vorwürfe,  dass  es  ihn  betrogen  und  um  Ehre  und  guten  Namen  gebracht, ­
  verliess  Meran,  und  wurde  von  Brixen  nach  Lermos  versetzt.
Dass  ein  so  gewaltsamer  Zustand  trotz  der  gegentheiligen  Überzeugung ­
  des  General-Landes-Commissariats  und  trotz  der  bisherigen
Ruhe  des  Volkes  im  Allgemeinen  doch  nicht  von  Dauer  sein  konnte,
und,  wenn  man  es  nicht  auf  einen  völligen  Bruch  ankommen  lassen
wollte,  auf  irgend  eine  Weise  abgeändert  werden  musste,  sah  man
bereits  seit  einiger  Zeit  in  München  besser  ein  als  in  Tirol.  In  diesem
Sinne  waren  dem  General-Landes-Commissariate  wiederholte  Mahnungen ­
  zur  Mässigung  im  Gebrauche  der  ertheilten  Vollmachten  dem
Klerus  gegenüber  zugegangen.  Unter  dem  28.  Juli  war  diese  Mahnung
wiederholt  und  dabei  ausdrücklich  die  Bemerkung  hinzugefügt  worden, ­
  dass  man  von  der  Gewalt  ablassen  sollte,  weil  Aussicht  auf
nahe  Verständigung  mit  Rom  vorhanden  sei.  Rom  hatte  nämlich ­
  bereits  seit  dem  Anfänge  des  Jahres  1808  auf  friedliche  Beile-
            
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