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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur  Vorgeschichte  des  Jahres  1809  in  Tirol.

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Weltpriester,  die  ihrem  Bischöfe  anhingen,  wenn  sie  sich  nicht  durch
die  Flucht  retteten,  der  eine  da,  der  andere  dorthin  verwiesen.  An
die-Stelle  der  Deportirten  schickte  die  haierische  Regierung  andere
Priester,  die  ihr  Vertrauen  genossen,  unter  denen  ein  gewisser
Dresch,  Elzenbaum,  Sandbichler,  Kotier,  Prantner,  Hermeter,  Ambach
u.  s.  w.  genannt  werden,  Männer  aus  verschiedenen  Klöstern  und
Diöcesen  zusammengerafft,  leider  nicht  immer  vom  besten  Wandel
und  Charakter.  Den  Einzug  Hermeters  in  St.  Martin  in  Passeyr
schildern  die  Bauern  noch  mit  einiger  Schalkheit,  wie  er  mit  Jagdhunden ­
  an  der  Schnur  und  Flinten  auf  dem  Rücken  daher  kam,  und
sich  sogleich  nach  dem  Wildstande  im  Tliale  erkundigte.  Allein  die
armen  Männer  waren  zu  bedauern.  Vom  Bischöfe  von  Chur  ipso
facto  suspendirt,  konnten  sie  keine  einzige  geistliche  Function  verrichten; ­
  erschienen  sie  in  der  Kirche,  so  lief  das  Volk  davon  ;  wollten
sie  Kranke  besuchen,  so  wurden  ihnen  die  Thören  verschlossen.  Man
erzählt  sogar  komische  Auftritte.  In  St.  Martin  starb  ein  Bauer.  Wer
ihm  die  Sacramente  gereicht  oder  im  Tode  heigestanden,  blieb  mir
unbekannt.  Als  ihn  einige  Männer  ohne  kirchliche  Ceremonie  zu
Grabe  trugen,  erschien  plötzlich  Pfarrer  Hermeter  im  Chorrock.  Sogleich ­
  stellten  die  Träger  die  Bahre  nieder  und  liefen  davon.  Kaum
hatte  sicli  Hermeter  entfernt,  kehrten  die  Bauern  zurück  und  trugen
die  Leiche  weiter.  Hermeter  erschien  wieder,  und  die  Träger  liefen
wieder  davon,  und  so  zum  dritten  Male.  Erst  als  sich  Hermeter  hierauf ­
  nicht  mehr  sehen  liess,  wurde  die  Leiche  ohne  Sang  und  Klang
eingescharrt.  —  Der  Kurat  Sandbichler  zii  Riffian  war  buchstäblich
nahe  daran  zu  verhungern;  Niemand  gab  ihm  Zins  und  Zehent,  Niemand ­
  wollte  ihn  pflegen  und  hegen.  Überall  musste  die  Regierung
mit  Militärmacht  nachhelfen.  In  das  Thal  Passeyr  rückten  daher  in
der  Nacht  vom  29.  auf  den  30.  Juli  unter  Anführung  der  Majore  von
Zoller  und  Speicher  zwei  Compagnien  Soldaten,  eine  von  Sterzing,
die  andere  von  Meran  ein,  zu  keinem  andern  Zwecke,  als  um  die
Bauern  in  die  Messe  und  Predigt  der  suspendirten  Geistlichen  zu
treiben,  und  die  Rädelsführer  aufzuheben,  die  es  gewagt  hatten,  bei
einem  ohne  Geistlichen  gehaltenen  Kreutzgange,  den  man  für  einen
Landsturmzug  ansah,  die  Fahnen  zu  tragen  und  vorzubeten.  Und  so
verblendet  war  das  General-Landes-Commissariat,  dass  es  über  den
Erfolg  dieser  Massregeln  unter  dem  8.  Aug.  folgenden  Bericht  an
den  König  schrieb:  „Die  Bestürzung  über  den  unerwarteten  Ein-.
            
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