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Prof. Jager.
verwaisten Diöcese sich annehmen könne. Allein diese Schaustellung
von Gelehrsamkeit bekam dem armen Koch sehr übel. Die angeführten
Stellen waren nämlich nicht Blüthen in seinem eigenen Garten
gewachsen, sondern der Italiener Tecini hatte sie ihm von Trient
aus an die Hand gegeben, und Koch die Unbedachtsamkeit gehabt,
sie in den Quellen nicht nachzulesen. Als er daher in die versammelten
Priester drang, Angesichts dieser canonischen Gründe und der
Bestimmung des Conciliums von Trient die Unterwerfung nicht länger
zu verweigern, trat Benedict Langes, ein ebenso gründlicher
Theolog als Schulmann hervor, und bat den Commissär Koch, die
Stelle im Concilium von Trient nur weiter zu lesen, denn da wird
der fremde Bischof mit klaren Worten nur für den Fall einer Sedisvacanz
durch den physischen Tod des Diöcesan-Bischofs, und dann
erst, wenn sich das Capitel der Vernachlässigung seiner Pflichten
schuldig macht, zum Einschreiten ermächtigt; bei Chur war aber
weder das Eine noch das Andere der Fall. Koch stand betroffen da,
und wusste nichts zu antworten. Die Versammlung ergriff nun die
Gelegenheit, ihm eindringliche Vorstellungen über die von ihm übernommene
Sendung zn machen, und erklärte mündlich und schriftlich,
dass, so lange sie von Chur nicht entlassen und im Einverständnisse
mit Rom einem andern Ordinariate zugewiesen seien, sie die Treue
ihrem Bischöfe weder brechen können noch wollen.
Am 26. Juni erschien hierauf gleichsam das Ultimat-Aufgebot
an den Klerus, worin ihm nur die Wahl zwischen gehorsamer Unterwerfung
unter Trient, oder allen Strafen gelassen wurde, die
Landesverräther treffen sollten. Der Klerus wählte das Letztere; und
nun sah man Scenen in Tirol, welche mit den Vorgängen Frankreichs
in den neunziger Jahren Ähnlichkeit hatten; ich hebe nur
einige derselben hervor. Am 23. Juli rückte Militär mit einer Kanone
in Meran ein; in einer Nacht um die Mitternachtsstunde wurden die
Kapuziner-Klöster zu Meran, Schlanders und Mals, umringt, die
Mönche auf Wägen geladen, und theils nach Neumarkt, theils nach
Brixen deportirt, wo sie ihr weiteres Schicksal erfuhren. Die Benedictiner
von Marienberg, die als Professoren in Meran und als Seelsorgspriester
in Passeyr angestellt waren, wurden nach Fiecht
übersetzt, das Stift Marienberg gänzlich aufgehoben, und die dort
wohnenden Priester von der baierischen Regierung theils willkürlich
verwendet, theils den Vorangegangenen nach Fiecht nachgesendet; die