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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Jager.

verwaisten  Diöcese  sich  annehmen  könne.  Allein  diese  Schaustellung
von  Gelehrsamkeit  bekam  dem  armen  Koch  sehr  übel.  Die  angeführten ­
  Stellen  waren  nämlich  nicht  Blüthen  in  seinem  eigenen  Garten ­
  gewachsen,  sondern  der  Italiener  Tecini  hatte  sie  ihm  von  Trient
aus  an  die  Hand  gegeben,  und  Koch  die  Unbedachtsamkeit  gehabt,
sie  in  den  Quellen  nicht  nachzulesen.  Als  er  daher  in  die  versammelten ­
  Priester  drang,  Angesichts  dieser  canonischen  Gründe  und  der
Bestimmung  des  Conciliums  von  Trient  die  Unterwerfung  nicht  länger ­
  zu  verweigern,  trat  Benedict  Langes,  ein  ebenso  gründlicher
Theolog  als  Schulmann  hervor,  und  bat  den  Commissär  Koch,  die
Stelle  im  Concilium  von  Trient  nur  weiter  zu  lesen,  denn  da  wird
der  fremde  Bischof  mit  klaren  Worten  nur  für  den  Fall  einer  Sedisvacanz
  durch  den  physischen  Tod  des  Diöcesan-Bischofs,  und  dann
erst,  wenn  sich  das  Capitel  der  Vernachlässigung  seiner  Pflichten
schuldig  macht,  zum  Einschreiten  ermächtigt;  bei  Chur  war  aber
weder  das  Eine  noch  das  Andere  der  Fall.  Koch  stand  betroffen  da,
und  wusste  nichts  zu  antworten.  Die  Versammlung  ergriff  nun  die
Gelegenheit,  ihm  eindringliche  Vorstellungen  über  die  von  ihm  übernommene ­
  Sendung  zn  machen,  und  erklärte  mündlich  und  schriftlich,
dass,  so  lange  sie  von  Chur  nicht  entlassen  und  im  Einverständnisse
mit  Rom  einem  andern  Ordinariate  zugewiesen  seien,  sie  die  Treue
ihrem  Bischöfe  weder  brechen  können  noch  wollen.
Am  26.  Juni  erschien  hierauf  gleichsam  das  Ultimat-Aufgebot
an  den  Klerus,  worin  ihm  nur  die  Wahl  zwischen  gehorsamer  Unterwerfung ­
  unter  Trient,  oder  allen  Strafen  gelassen  wurde,  die
Landesverräther  treffen  sollten.  Der  Klerus  wählte  das  Letztere;  und
nun  sah  man  Scenen  in  Tirol,  welche  mit  den  Vorgängen  Frankreichs ­
  in  den  neunziger  Jahren  Ähnlichkeit  hatten;  ich  hebe  nur
einige  derselben  hervor.  Am  23.  Juli  rückte  Militär  mit  einer  Kanone
in  Meran  ein;  in  einer  Nacht  um  die  Mitternachtsstunde  wurden  die
Kapuziner-Klöster  zu  Meran,  Schlanders  und  Mals,  umringt,  die
Mönche  auf  Wägen  geladen,  und  theils  nach  Neumarkt,  theils  nach
Brixen  deportirt,  wo  sie  ihr  weiteres  Schicksal  erfuhren.  Die  Benedictiner
  von  Marienberg,  die  als  Professoren  in  Meran  und  als  Seelsorgspriester ­
  in  Passeyr  angestellt  waren,  wurden  nach  Fiecht
übersetzt,  das  Stift  Marienberg  gänzlich  aufgehoben,  und  die  dort
wohnenden  Priester  von  der  baierischen  Regierung  theils  willkürlich
verwendet,  theils  den  Vorangegangenen  nach  Fiecht  nachgesendet;  die
            
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