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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  J  oh.  Wo  c  el.

seiner  Engel  mit  dem  Drachen  nach  dem  XII.  Capitel  der  Apokalypse
dargestellt.  Die  poetische  Auffassung  dieses  höchst  schwierigen  Stoffes, ­
  die  kühne  Zeichnung  der  lebhaft  bewegten  Gruppen,  die  kunstreiche ­
  Beleuchtung  der  Scene  beurkunden,  dass  der  Name  des  genialen ­
  von  der  religiösen  Idee  hochbegeisterten  Meisters  Radaus
in  das  Ehrenbuch  der  Künstler  seiner  Zeit  eingetragen  zu  werden
verdient.
Die  Zeichnung  der  zahlreichen,  wiewohl  nicht  mit  gleicher  Meisterschaft ­
  ausgeführten  Bilder  in  diesen  beiden  Cantionalen  ist  durchaus ­
  correct,  der  Pinsel  breit,  die  Farben  leicht  aufgetragen.  Staunenswerth ­
  ist  die  vortreffliche  Ausführung  der  Gesichter  insbesondere ­
  aber  der  Hände,  die  den  Miniaturmalern  unserer  Zeit  zum  Vorbilde ­
  dienen  könnten.  Möge  mein  Urtheil  über  diese  Miniaturen  nicht
für  übertrieben  oder  überschwänglich  im  Ausdrucke  gehalten  werden; ­
  jeder  Kunstkenner,  der  diese  Gemälde  mit  derselben  Genauigkeit ­
  wie  ich  betrachtet,  wird  gewiss  meinem  Urtheile  beistimmen,
ja  gestehen,  dass  ich  eher  zu  wenig  als  zu  viel  die  Werke  des  Meisters ­
  Radaus  gepriesen  habe.
Diese  sind  die  ausgezeichneteren  Miniaturen  ,  die  ich  während
meiner  Bereisung  in  Böhmen  untersucht  habe.  Ausser  diesen  hatte
ich  noch  e  i  1  f  mit  Miniaturbildern  gezierte  Pergamentbüeher  gefunden ­
  und  untersucht;  da  aber  der  Kunstwerth  der  darin  enthaltenen
Malereien  bedeutend  geringer  ist,  als  derjenigen,  die  ich  hier  beschrieben, ­
  so  will  ich,  um  den  Umfang  dieses  Berichtes  nicht  zu  sehr
anwachsen  zu  lassen,  dieselben  bloss  oberflächlich  anführen.
In  Rakonitz.  Am  Chore  der  Dechanteikirche  ein  böhmisches
Cantional  vom  Jahre  1396.
InLaun.  Lateinisches  Cantional  vom  Jahre  1330.  Mehrere
der  in  demselben  enthaltenen  Miniaturen  haben  einen  bedeutenden
Werth,  besonders  schön  sind  die  Arabesken;  das  Gold  ist  reichlich
aufgetragen.
Eben  daselbst  ein  zweites,  älteres  lateinisches  Cantional  von  geringerem ­
  Kunstwerthe.  Beide  werden  im  Archive  der  Stadtgemeinde
aufbewahrt.
Zu  Leitmeritz  ein  böhmisches  Cantional  vom  Jahre  1379  im
Dekanal-Archive.
Im  Rathhause  derselben  Stadt  ein  zweites  lateinisches  Cantional
aus  der  ersten  Hälfte  des  XVI.  Jahrhunderts.
            
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