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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Bericht  über  eine  kunst-archäologische  Bereisung  Böhmens.

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ihr  Kunstwerth  und  die  ästhetische  Bedeutung  derselben  noch  nirgends ­
  würdig  anerkannt  und  hervorgehoben  worden.  Es  sind  zwei
mächtige  Bände,  deren  Dimensionen  mit  dem  früher  geschilderten
Cantionale  grösstentheils  übereinstimmen.  Das  erste  derselben  enthält ­
  Adventgesänge,  das  zweite  Gesänge  auf  die  Festtage  des  ganzen
Jahres.  Beide  sind  mit  herrlichen  Miniaturen  auf  das  grossartigste
ausgeschmückt.  Der  Maler  derselben  war  der  Chrudimer  Bürger
Matthias  Radaus.  Die  Bücher  wurden  zwischen  den  Jahren  1886—
1594  auf  Kosten  der  Königgrätzer  Bürger  für  das  Literatenchor  dieser ­
  Stadt  verfertigt.
Der  erste  Theil  des  Cantion  als  enthält  auf  der  ersten
Seite  ein  meisterhaftes,  das  ganze  Blatt  ausfüllendes  Gemälde,  in
welchem  die  Porträte  des  Malers  Matthias  Radaus,  des  Verfassers
des  Textes  Georg  Richnovius  und  des  Schreibers  Matthäus  Litomericky
  sorgfältig  ausgeführt  erscheinen.  Die  breiten  Ränder
schmücken  musicirende  Engelgestalten.  Meisterhaft  sind  ferner:
1.  die  Geburt  Christi,  ein  das  ganze  Blatt  ausfüllendes  Bild.  Die  Trefflichkeit ­
  der  Auffassung,  Schönheit  der  Formen,  besonders  aber  die
fromme  Innigkeit  und  der  Liebreiz  im  Antlitze  Marien’s  verleihen  diesem
Bilde  die  höhere  Kunstweilie;  2.  die  Beschneidung  und  die  Taufe
Christi;  3.  die  heil,  drei  Könige,  ein  herrliches  Blatt  voll  Leben  und
individuellem  Ausdruck;  4.  die  Auferstehung  Christi.  Der  Heiland,
von  dessen  nackten  Schultern  ein  rother  Mantel  herabwallt,  steht  mit
der  Siegesfahne  auf  dem  Deckel  des  Grabes.  Der  Ausdruck  der  Majestät ­
  im  Antlitze  Christi,  die  Zeichnung  und  die  Behandlung  des
Nackten  dieser  Gestalt  ist  wahrhaft  bewundernswerth.  Ebenso
herrlich  ausgeführt  ist  6.  die  Himmelfahrt  Christi.
Im  zweiten  Th  eile  des  Cantionais  sind  unter  den  zahlreichen ­
  trefflichen  Miniaturbildern  besonders  hervorzuheben:  I.  die
Sendung  des  heil.  Geistes,  durch  meisterhafte  Gruppirung  der  Gestalten ­
  und  die  charakteristische  Lebhaftigkeit  der  Gesichtszüge  ausgezeichnet; ­
  2.  Christus  am  Kreuze.  Das  schmerzvolle,  edle  Antlitz
des  Gekreuzigten  ist  von  ergreifender  Wirkung,  die  Zeichnung  und
Färbung  des  Körpers  untadelhaft.  Ueberaus  schön  ist  die  das  Kreuz
umgebende  Landschaft.  Die  Localtöne  im  Vordergründe  und  die  harmonisch ­
  verschwimmenden  Tinten  der  Ferne  sind  trefflich  gehalten;
3.  das  letzte  Abendmahl,  ein  grossartiges  Bild  voll  Lehen,  Bewegung
und  Ausdruck;  4.  die  Taufe  Christi;  5.  der  Kampf  Michaels  und
            
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