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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur  Vorgeschichte  des  Jahres  i  809  in  Tirol.

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Seite  seines  eigenen  Klerus  heftigen  Tadel  zu,  als  hätte  er  nicht  so
viel  Muth  gehabt,  wie  seine  Collegen,  für  die  Sache  der  Kirche  zu
leiden,  und  als  hätte  er  das  später  ihm  zu  Theil  gewordene  gelindere
Schicksal  einer  feigen  Nachgiebigkeit  zu  verdanken.  Allein  mir  liegt
ein  Brief  des  Fürsten  vor,  worin  er  betheuert,  jeden  Augenblick
bereit  zu  sein  mit  seinen  Amtsbrüdern  tapfer  zu  handeln  und  zu  leiden, ­
  und  worin  er  auf  die  Frage,  warum  er  nicht  nach  Innsbruck
gekommen,  antwortet,  er  sei  zwar  von  den  beiden  dort  anwesenden
Bischöfen  dazu  eingeladen  worden,  aber  theils  wegen  Kränklichkeit,
theils  aus  dem  Grunde  nicht  erschienen,  weil  er  es  für  rathsamer
hielt,  in  seiner  Residenz  zu  bleiben,  so  lange  ihn  die  Regierung
nicht  abfordere.
Der  Fürstbischof  von  Chur  hingegen  brach  ohne  Verzug  nach
Innsbruck  auf.  Er  hatte  sogar  auf  eine  Reise  nach  Graubünden,  die
früher  beantragt  war,  verzichtet,  sobald  er  seinen  Amtsbruder  von
Trient  in  Innsbruck  in  Gefahr  sah.  Vor  seiner  Abreise  rief  er  noch
einmal  den  Klerus  zusammen,  und  ertheilte  ihm  mündliche  und
schriftliche  Verhaltungsbefehle,  falls  er  länger  zu  Innsbruck  aufgehalten ­
  werden,  oder  gar  nicht  mehr  zurückkommen  sollte.  Die  früheren ­
  Meraner  Conferenz-Beschlüsse  wurden  als  Norm  aufgestellt,
und  der  gesammte  Klerus  an  den  Provicar  von  Meran,  Nicolaus
Patscheider,  angewiesen,  dem  er,  sowie  dem  Provicar  Schuster
von  Schluderns,  die  Gewalt  eines  General-Vicars  übertrug.  Am  16.
oder  17.  October  traf  er  in  Innsbruck  ein.  Cher  die  Verhandlungen
erlaube  ich  mir  wieder  den  Bericht  des  General-Landes-Commissariats
  an  das  Ministerium  des  Innern  mitzutheilen.  „Ich  habe  mit
den  Bischöfen,  so  schrieb  Graf  Arco,  in  wiederholten  mehrstündigen
Unterhandlungen  alle  Mittel  der  gütlichen  Überredung  erschöpft,
ihnen  zu  vielmahlen  alle  Gründe  wiederholt,  aus  denen  sie,  ohne
Nachtheil  ihres  Gewissens,  den  allerhöchsten  Gesinnungen  Folge
leisten  könnten.  Von  dem  Gewichte  mancher  dieser  Gründe  waren
sie  selbst  überzeugt;  allein  ihre  vorgebliche  oder  wahre  Gewissensängstlichkeit ­
  erlaubte  ihnen  nicht,  der  Stimme  der  Vernunft  Gehör
zu  geben.  Am  Ende  bestanden  sie  immer  darauf,  es  stehe  nicht  in
ihrer  Gewalt,  wesentliche  Rechte  der  Kirche,  die  sie  aufrecht  zu
erhalten  beschworen,  durch  ihr  Zuthun,  oder  ihre  Nachgiebigkeit ­
  schmälern  zu  lassen;  dahin  gehöre  das  Jus  liberae
collationis,  in  Fällen,  wo  es  nicht  durch  päpstliche  Bewilligung,  Her-
            
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