Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

252

Prof.  Jäger.

Strafen  das  schon  zu  Kaiser  Jo  s  eph’s  Zeiten  gegebene  Verbot,  welches ­
  Ordens-Corporationcn  die  Verbindung  mit  auswärtigen  Klöstern
und  Vorgesetzten  untersagte.  Unter  dem  15.  Juli  geschahen  Vorbereitungen ­
  zur  Aufhebung  des  Churerischen  Priesterhauses  zu
Meran;  an  demselben  Jage  begannen  auch  die  Inventirungen  aller
Kirchenschätze,  namentlich  der  goldenen  und  silbernen,  und  eines
schönen  Morgens,  es  war  der  16.  September,  erschienen  in  allen
Stiften,  Abteien  und  Commenden  Tirols  Commissäre,  und  setzten
die  geistlichen  Institute  unter  weltliche  Administration.
Unter  diesen  Verhältnissen  durften  die  Bischöfe  erwarten,  dass
die  gegen  sie  ausgesprochenen  Drohungen  bald  in  Erfüllung  gehen
würden.  Aufmunternd  und  tröstend  kam  ihnen  gerade  um  diese  Zeit
ein  vom  1.  Angust  datirtes  päpstliches  Breve  zu  Händen,  worin  sie
der  Papst  zur  Ausdauer  in  der  Vertheidigung  der  kirchlichen  Rechte
ermahnt,  ihre  bisherige  Standhaftigkeit  lobt,  und  sie  im  Hinblicke
auf  seine  eigenen  Leiden  für  die  Rechte  und  Freiheiten  der  Kirche
Trost  suchen  heisst.
In  der  Vorahnung,  dass  sie  keinen  Tag  mehr  sicher  seien  vor
einem  Gewaltschritte,  versammelte  der  Bischof  von  Chur,  so  weit
es  ohne  Aufsehen  geschehen  konnte,  die  angesehensten  Geistlichen
seines  tirol.  Diöcesan-Antheiles  zu  Meran,  und  verabredete  mit  ihnen
die  Grundsätze  ihres  Benehmens,  falls  die  Regierung  Zwangsmassregeln
  gegen  ihn  ergreifen  würde.  Alle  versammelten  Priester  gelobten ­
  Gehorsam  und  treues  Zusammenhalten  in  Vertheidigung  der  bischöflichen ­
  Rechte,  und  versprachen,  sich  von  der  Regierung  weder
gewinnen  noch  schrecken  zu  lassen,  um  schismatische  Versuche  derselben ­
  zu  begünstigen.  Hierauf  kam  der  Bischof  von  Chur  auch  mit
seinem  Amtsbruder,  dem  Fürstbischof  von  Trient  in  Botzen  zusammen,
um  die  Grundsätze  zu  besprechen,  welche  sie  selbst  der  Regierung ­
  gegenüber  gemeinsam  befolgen  wollten.  Der  Fürstbischof
E  man  uej  von  I  rient  war  nämlich  bereits  auf  der  Durchreise  nach
Innsbruck,  wohin  ihn  das  General-Landes-Commissariat  berufen
hatte.  Veranlassung  dazu  gab  folgender  Vorfall.
Dem  Bischöfe  und  Domcapitel  in  Trient  waren  vier  Fragen  hinnen ­
  24  Stunden  zu  beantworten  vorgelegt  worden.  1.  Ob  sie  das  bestehende ­
  Staatsgesetz  in  Betrelf  der  Beneficien-Vergebung  anerkennen ­
  wollten?  2.  Ob  ein  Bischot  unter  dem  Vorwände,  er  sei  verbunden, ­
  die  Rechte  seiner  Kirche  zu  vertheidigen,  oder  unter  Berufung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.