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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur  Vorgeschichte  des  Jahres  1809  in  Tirol.

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was  sich  als  gemeinsamer  CHärakterzug  durch  alle  damaligen  Churer
Geistliche  hindurchzog,  und  seihst  in  den  noch  lebenden  letzten
Überbleibseln  nicht  erloschen  ist,  das  war  eine  ungeheuchelte  begeisterte ­
  Liebe  zu  ihrem  Bischof,  mit  dem  sie  nicht  bloss  ihr  Vermögen ­
  ,  sondern  auch  seine  Dürftigkeit  und  Schicksale  freudig
theilten.
Der  Bischof  Emanuel  von  Trient  glich  seinem  Nachbar  an  Gesinnung ­
  und  Willensstärke  in  hohem  Grade;  doch  verfolgte  er  seine
Grundsätze  nicht  mit  jener  zähen  Consequenz,  welche  dem  Bischöfe
von  Chur  eigen  war.  Freilich  hatte  er  nicht  Gelegenheit  gehabt,
seinen  Charakter  in  jener  Schule  der  Erfahrungen  zu  stählen,  die
dem  von  Chur  so  reichlich  zu  Theil  geworden.  Die  Diöcesan-Geschäfte
leitete  in  Trient  der  General-Vicar  Zambaiti,  ein  moralisch  fester
aber  altersschwacher  Mann;  und  unter  den  Domherren  ragten  Buff  a,
Trentini  und  der  Baron  von  EyrI  durch  einige  Entschiedenheit  des
Charakters  hervor,  obwohl  nicht  in  dem  Masse,  wie  die  Umgebung
des  Bischofs  von  Chur.  In  Brixen  war  die  Seele  des  Consistoriums
der  Domherr  Konrad  von  Buol.  Grossen  Einfluss  auf  den  Fürsten  übte
der  Kanonikus  Giuliani,  und  auch  Michael  F  e  i  c  h  t  e  r,  in  späterer  Zeit
der  belebende  Geist  der  Brixner  Diöcese,  war  nicht  ohne  Ansehen.
Übrigens  leitete  das  Brixner  Consistorium  damals  eine  Klugheit,
welche,  wenn  man  auf  den  Ausgang  sieht,  wohlberechnet  erscheint,
von  denjenigen  aber,  denen  das  entschiedene  Auftreten  der  zwei
andern  Bischöfe  besser  gefiel,  heftigen  kaum  verdienten  Tadel
erfuhr.
Von  Seite  der  Regierung  erschienen  auf  dem  Kampfplatze  der
General-Commissär  Graf  Arco,  wohlwollend,  gutmiithig,  ein  pünktlicher ­
  Beamter,  der  nichts  höheres  kannte,  als  die  Vollziehung  der
Befehle  seines  Herrn.  Ihm  zur  Seite  stand  der  Kanzlei-  und  Kreisdirector
  v.  Mieg,  eine  gewandte  Feder,  klar  in  seinen  Ansichten,  aber
verknöchert  in  den  Grundsätzen  der  damaligen  antikirchlichen  Philosophie ­
  und  Staatsweisheit,  von  Seite  des  Charakters  heftig,  für  terroristische ­
  Massregeln  eingenommen,  und  bis  zum  Erstaunen  verblendet ­
  im  Glauben  an  die  Zweckmässigkeit  eines  Schreckensystems  zur
Beherrschung  der  Gemüther  der  Menschen.  Später  ward  der  Hofrath
und  Kreishauptmann  von  Bruneck,  Hofstetten,  auf  den  Schauplatz
hervorgezogen,  ein  nicht  unfähiger  besonders  mit  inquisitorischen  Talenten ­
  begabter  junger  Mann;  aber  heftig,  leidenschaftlich,  wie  Mieg

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