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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur  Vorgeschichte  des  Jahres  1809  in  Tirol.

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Lande  aus  der  Vereinigung  mit  Baiern  damals,  ungefähr  wie  in  unsern
Tagen  von  der  Idee  des  Zoll-Vereines  in  Aussicht  gestellt  waren,  der
baierisclien  Regierung  schwerlich  je  eine  Verlegenheit  entstanden
sein  würde.  Man  sagte  sich  unverliolen,  dass,  wenn  einmal  die  Zollstangen ­
  fallen,  welche  Tirol  vom  Nachbarlande  trennen,  von  dorther
Überfluss  an  Getreide  auf  die  tiroler  Märkte  strömen,  und  umgekehrt
in  Tirol  die  Viehzucht,  der  Weinbau,  die  Seidencultur  und  Obstzucht
einen  wünschenswerthen  Aufschwung  nehmen,  und  in  Baiern  einträgliche ­
  Absatzmärkte  finden  werden.  Im  Genüsse  dieser  Vortheile  würde
Tirol,  so  glaubten  einige,  sogar  die  Aufhebung  seiner  ständischen
Verfassung  und  selbst  das  Unglück  seiner  Trennung  von  dem  alten
Fürstenhause  allmählich  verschmerzt  haben,  und  vielleicht  baierisch
geblieben  sein.
Wenn  es  mir  nun  gegönnt  ist,  auf  die  Frage  überzugehen,  woher
es  kam,  dass  ungeachtet  dieser  günstigen  Verhältnisse  Baiern  und
Tirol  doch  nicht  in  einander  verschmolzen,  dass  sich  vielmehr  gerade
in  den  materiell  nicht  unglücklichen  Jahren  1807  und  1808  jener
Volkshass  gegen  Baiern  entzündete,  der  im  J.  1809  in  die  helle
Kriegsflamme  aufloderte,  so  werde  ich  nicht  die  justitielle,  finanzielle,
oder  polizeiliche  Verwaltung  des  Landes  als  Ursache  jener  Erscheinung ­
  bezeichnen  dürfen;  ich  werde  vielmehr  auf  eine  andere,  bisher
viel  zu  wenig  beachtete  Quelle  hinweisen  müssen,  und  diese  Quelle,
aus  welcher  so  recht  eigentlich  wie  aus  dem  tiefsten  Ursprünge  alle
Ereignisse  des  Jahres  1809  flössen,  und  ohne  deren  genauere  Kenntniss
  der  Aufstand  der  Tiroler  nie  vollkommen  begriffen  werden  kann,
diese  Quelle  ist  jene  gewaltsame  und  schonungslose  Umwälzung
in  kirchlichen  Dingen,  welche  die  baierische  Regierung  mit
völliger  Verkennung  des  tirolischen  Volkscharakters  in  den  Jahren
1806,  1807  und  1808  durchzusetzen  bemüht  war.
Man  darf  ohne  Umschweife  behaupten,  dass  Baiern  im  Verhältnisse ­
  zur  Kirche  sich  auf  einen  falschen  Standpunkt  gestellt  hatte.  So
wenig  es  dem  Geiste  der  Kirche  und  den  vernünftigen  Grundsätzen
einer  Regierung  widerspricht,  Missbräuche  abzusehaffen,  so  war
doch  das,  was  Baiern  in  Tirol  that,  nicht  mehr  ein  blosses  Abschaffen
von  Missbräuchen,  sondern  ein  zerstörender  Angriff  auf  die  Kirche
selbst.  Die  baierische  Regierung  ging  von  Principien  aus,  die  mit  dem
Wesen  der  katholischen  Hierarchie  unverträglich  sind,  und  schlug
in  der  Durchführung  dieser  Principien  einen  Weg  ein  ,  der  nur  von
            
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