Zur Vorgeschichte des Jahres 1809 in Tirol.
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Lande aus der Vereinigung mit Baiern damals, ungefähr wie in unsern
Tagen von der Idee des Zoll-Vereines in Aussicht gestellt waren, der
baierisclien Regierung schwerlich je eine Verlegenheit entstanden
sein würde. Man sagte sich unverliolen, dass, wenn einmal die Zollstangen
fallen, welche Tirol vom Nachbarlande trennen, von dorther
Überfluss an Getreide auf die tiroler Märkte strömen, und umgekehrt
in Tirol die Viehzucht, der Weinbau, die Seidencultur und Obstzucht
einen wünschenswerthen Aufschwung nehmen, und in Baiern einträgliche
Absatzmärkte finden werden. Im Genüsse dieser Vortheile würde
Tirol, so glaubten einige, sogar die Aufhebung seiner ständischen
Verfassung und selbst das Unglück seiner Trennung von dem alten
Fürstenhause allmählich verschmerzt haben, und vielleicht baierisch
geblieben sein.
Wenn es mir nun gegönnt ist, auf die Frage überzugehen, woher
es kam, dass ungeachtet dieser günstigen Verhältnisse Baiern und
Tirol doch nicht in einander verschmolzen, dass sich vielmehr gerade
in den materiell nicht unglücklichen Jahren 1807 und 1808 jener
Volkshass gegen Baiern entzündete, der im J. 1809 in die helle
Kriegsflamme aufloderte, so werde ich nicht die justitielle, finanzielle,
oder polizeiliche Verwaltung des Landes als Ursache jener Erscheinung
bezeichnen dürfen; ich werde vielmehr auf eine andere, bisher
viel zu wenig beachtete Quelle hinweisen müssen, und diese Quelle,
aus welcher so recht eigentlich wie aus dem tiefsten Ursprünge alle
Ereignisse des Jahres 1809 flössen, und ohne deren genauere Kenntniss
der Aufstand der Tiroler nie vollkommen begriffen werden kann,
diese Quelle ist jene gewaltsame und schonungslose Umwälzung
in kirchlichen Dingen, welche die baierische Regierung mit
völliger Verkennung des tirolischen Volkscharakters in den Jahren
1806, 1807 und 1808 durchzusetzen bemüht war.
Man darf ohne Umschweife behaupten, dass Baiern im Verhältnisse
zur Kirche sich auf einen falschen Standpunkt gestellt hatte. So
wenig es dem Geiste der Kirche und den vernünftigen Grundsätzen
einer Regierung widerspricht, Missbräuche abzusehaffen, so war
doch das, was Baiern in Tirol that, nicht mehr ein blosses Abschaffen
von Missbräuchen, sondern ein zerstörender Angriff auf die Kirche
selbst. Die baierische Regierung ging von Principien aus, die mit dem
Wesen der katholischen Hierarchie unverträglich sind, und schlug
in der Durchführung dieser Principien einen Weg ein , der nur von