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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Berichte  aus  und  über  Abyssinien.

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es  gehört  dazu,  dass  der  Menseh  seine  gottlose  Selbstsucht  im  Individuum ­
  verliere,  in  einmüthiger  Gesammtheit  das  Werk  der  Cultur
ergreife.  Auf  der  ganzen  Erde  gibt  es  kein  Land,  das  mehr  Vortheil
und  Annehmlichkeiten  zugleich  bieten  kann,  als  dieses  von  uns  so
wenig  beachtete  Abyssinien.  —  Heute  ist  es  eine  stets  an  Umfang  zunehmende ­
  dornenreiche  Wildniss,  welche  die  verwilderten  und  sieh
selbst  zerstörenden  Bewohner  in  immer  enger  und  enger  werdende
Räume  bannt.  Auch  die  wilden  Thiere  nehmen  so  sehr  überhand,
dass  in  nicht  sehr  ferner  Zeit  ein  förmlicher  Krieg  zwischen  ihnen
und  den  Menschen  in  Aussicht  steht.  Schon  jetzt  sind  die  Thäler
von  4000'  abwärts  so  damit  bevölkert,  dass  der  Jagdfreund  den
mannigfaltigsten  Stoff  zur  Beschäftigung  daselbst  findet,  zugleich
aber  auch,  besonders  zur  Nachtzeit,  in  der  grössten  Gefahr  schwebt;
einzelne  Bestien  greifen  sogar  zuweilen  ganze  Caravanen  an,  und
reissen  aus  derselben  einzelne  Menschen  vom  Wachtfeuer  fort.
Nach  diesem  ausgedehnten  Abschweif  komme  ich  wieder  auf
die  politische  Gestaltung  des  Landes  zurück.
ln  neuerer  Zeit  hat  der  Dedschesmadsch  Ubye  eine  Menge
Seigneurs  und  Chefs  sich  unterjocht,  indem  er  den  Zweck  verfolgt,
den  Kaiser  als  Einigungspunct  in  seine  ursprüngliche  Macht  einzusetzen. ­

Die  Neigung  des  R  a  s  A1  i  zum  Mohammedanismus,  die  für  Abyssinien ­
  hieraus  entspringende  Gefahr  hatte  Ubye  bestimmt,  im  Jahre
1841  alle  christlichen  Stämme  zu  vereinigen,  an  die  Spitze  der
Geistlichkeit  einen  Bischof  zu  stellen  und  den  Ras  zu  bekriegen.
Ubye  ward  Sieger!  Aber  ein  Zufall  nach  siegreicher  Schlacht
machte  ihn  zum  Gefangenen  einer  ganz  kleinen  feindlichen  Abtheilung. ­
  Der  Ras  kam  hierauf  von  seiner  Flucht  zurück,  übernahm
von  Neuem  seine  Stellung  und  gab  aus  Furcht  vor  dem  Volke  seinem
Gegner  die  Freiheit  (das  Landvolk  hatte  den  Ras  mit  Prügeln
durchgeprügelt!).  —  Leider  etwas  spät,  weil  bereits  in  Ubye  s
Ländern  dessen  Bruder  und  andere  Häuptlinge  das  Volk  gegen  ihn
beschäftigten.  Ubye  hatte  nun  mit  Widerwärtigkeiten  aller  Art  zu
kämpfen,  aber  ausgerüstet  mit  Schlauheit  und  Energie  überwand  er
Alles.  Mit  24  Mann  zog  er  aus,  seinen  Bruder  Merrso  zu  bekriegen ­
  ,  der  sich  in  Semen  eingenistet  hatte.  Nach  glücklichem
Erfolge  strömte  seine  zerstreute  Armee  ihm  wieder  zu;  und  nun  zog
er  nach  Tigre,  wo  Balgatt’  Ar  ei  ja  die  Flucht  nahm  und  der
            
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