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Dr. Schi mp er.
erst nach Eintreffen der abyssinischen Gesandtschaft in den
Priesterstand gebracht war, für sein jugendliches Alter ein seltenes
grosses Intriguen-Talent besitzt und seit seiner achtjährigen Anwesenheit
hier in Abyssinien die Interessen der Engländer fördert, mit
welchen er lebhafte Verbindungen unterhält, Abgeordnete nach
Aden sendet, woher ihm moralische Unterstützung zuiliesst, mittelst
welcher er hier die Zwistigkeiten unter den Häuptlingen anfacht, und
mit grossem Geschick zu unterhalten weiss. Die ihm eingeräumte
Einwirkungsmacht ist der Art wenig begrenzt, dass selbst der mächtige
Fürst Ub ye in steter Besorgniss lebt und es noch nicht vermochte,
dieses ihm gefährlichen Menschen sich zu entledigen.
Seit den letzten 20 Jahren ist der Kaiser der unterthänige Diener,
zuweilen von Ubye, öfter und gewöhnlich von Ras Ali,
welch 1 Letzterer in Gondar befiehlt, dem Aufenthaltsort Seiner
kaiserlichen Majestät.
Die D e d s c h e s m a d s c h e, d. h. die Herzoge und Grossherzoge,
gereizt durch die illegale Aufführung des Ras, haben nichts
versäumt, um sich von einander so unabhängig zu machen als möglich
, wodurch natürlich auch der Einfluss des Ras in seiner Eigenschaft
als Verwalter des Gesammten untergraben wurde. Durch Missbrauch
seiner Amtsfunction hat er seihst seinen Einfluss vernichtet,
und steht darum heute nur als Chef einer Partei den verschiedenen
Landesherren, den Mitregenten des Kaisers, d. h. den Herzogen
(Dedschesmadsche) feindlich gegenüber, suchend zu seiner Machtvergrösserung
die Hülfe der mohammedanischen Gallasstämme , mit
denen er verbunden und verwandt ist, was schon sein Name „Al i
beurkundet.
Es besteht ein grosser Unterschied zwischen Ras, dem Diener
und Befehlsvollstrecker des Kaisers, und den Dedschesmadschen, den
Befehlshabern, den Herren und Eigenthümern der Einzelpartien des
Landes, die nur verwaltlich — nicht im Innern ihres eigenen Landes,
sondern nur in Bezug auf die Einheit des gesammten Reiches —
dem supremen Haupt, Negus, untergeordnet sind.
Die inneren Kriege, geschaffen durch die Eifersucht der losgewordenen
Häuptlinge, zerstörten das Land und boten den äusseren
Feinden eine seltene Leichtigkeit desselben sich zu bemächtigen.
Einerseits lixirten sich die heidnischen und mohammedanischen Gallas,
während andererseits die Türken vordrangen und mit ihnen der Mo-