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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prol'.  J  oh.  Wo  c  el.

Das  Ganze  ist  trefflich  componirt  und  mit  grossem  Fleisse  ausgeführt.
Sehr  wacker  gezeichnet  und  schön  gearbeitet  sind  ferner:  a)  die
Geburt  Christi  und  im  untern  Rande  des  Blattes  der  bethlehemitische
Kindermord,  b)  die  Sendung  des  heil.  Geistes  und  darunter  die  Taufe
Christi,  c)  die  allerh.  Dreifaltigkeit,  d)  das  letzte  Abendmahl,  e)  die
Auferstehung.  Das  Cantional  wird  im  Rathhause  der  Stadt  Trebnitz
sorgfältig  verwahrt.
Lateinisches  Cantional  zu  Jungbunzlau.
Ein  ungeheuerer  Pergamentcodex,  dessen  Länge  2‘  2“,  die  Breite
1 1  6"  beträgt.  Ueber  den  Schreiber  und  Maler  dieses  Cantionais
findet  sich  im  Buche  seihst  eben  so  wenig  irgend  eine  Aufklärung,  wie
über  den  Zeitpunct,  in  welchem  dasselbe  zu  Stande  kam.  Die  Aehnlichkeit
  der  Schriftzüge  und  gewisser  typischer  Formen  der  Bilder  mit
den  Zügen  und  Formen  des  Leitmeritzer  wie  auch  des  Königgrätzer
Cantionais  setzen  es  aber  ausser  Zw  eifei,  dass  dieses  Buch  am  Anfänge ­
  des  XVl.  Jahrhunderts  in  Böhmen  verfertigt  wurde.  Die  Farben ­
  der  zahlreichen  Miniaturen  sind  von  ausgezeichneter  Schönheit
und  Frische,  das  Gold  sowohl  am  Hintergründe  der  Bilder,  als  auch
in  der  Schrift  und  auf  den  Musiknoten  reichlich  aufgetragen.  Die
meisten  Lichter  sind  auf  die  Deckfarben  zart  aufgelegt;  oft  vertritt
das  Gold  die  Stelle  der  Lichtfarbe.  Die  Arabesken  haben  zwar  nicht
den  phantasiereichen  Schwung  der  Luditzer  Verzierungen,  sind  aber
mit  grosser  Meisterschaft  ausgeführt.  Vorzüglichen  Werth  haben  die
zahlreichen  Figuren  in  den  Randverzierungen,  insbesondere  die  vielen ­
  Engelgestalten  der  musicirenden  Genien,  die  14  Brustbilder  im
Stammbaume  Christi,  die  mit  Recht  als  Meisterwerke  dieser  Art  bezeichnet ­
  werden  müssen,  wie  auch  die  vielen  Vögel  und  Thiergestalten, ­
  mit  denen  das  zarte  Flechtwerk  der  Arabesken  belebt  ist.  Die
Bilder  in  den  Versalbuchstaben  sind  zwar  mit  ausserordentlichem
Fleisse  ausgeführt,  aber  mehr  typisch  gehalten  und  einigermassen
steif,  wogegen  die  zahlreichen  Figuren  in  den  breiten  Randbändern
ungezwungen  und  natürlich  bewegt  erscheinen.  Dieser  Unterschied
zwischen  den  Versalbildern  und  den  Randverzierungen  ist  bei  den
meisten  Cantionalminiaturen  wahrnehmbar.  Die  Ursache  dieser  Verschiedenheit ­
  ruht  darin,  dass  bei  den  Heiligenbildern  der  Versalien
die  Künstler  an  gewisse  Formen  und  Vorbilder  mehr  oder  weniger
sich  banden,  wogegen  die  Randverzierungen  einen  freien  Spielraum
            
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