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Prof. J o h. VV o c e 1.
Prag befindlichen von Waagen gepriesenen Miniaturen an Tüchtigkeit
der Ausführung, an Farbenglanz und Reichthum der Vergoldung
diesem Werke gleich kommen, wiewohl dasselbe, wie aus dem
Verlaufe dieses Berichtes ersichtlich wird, noch immer nicht das ausgezeichnetste
Miniaturwerk in Böhmen genannt werden kann. — Es
wird gegenwärtig im alten Rathhause der Stadt Leitmeritz sorgfältig
aufbewahrt.
Böhmisches Cantional der Stadt Luditz (Zlutice).
Dieses für die Kunstgeschichte Böhmens höchst wichtige Riesenhuch
enthält 494 Blätter; die Höhe desselben beträgt 2\ die
Breite 1' 4“. Der Schreiber des Textes und der Noten war Jan
, Taborskyz Klokotske hory; der Maler der Miniaturen der
Prager Bürger Fabianus Polirar. Dasselbe wurde in den Jahren
1558—1539 verfertigt. Den Inhalt des Werkes bilden böhmische
Kirchengesänge, die beinahe in derselben Reihenfolge wie die lateinischen
im Leitmeritzer Cantionale Vorkommen. In ihrer Art unübertrefflich
sind die Miniaturbilder, welche die Versalbuchstaben und die
Ränder der Blätter zieren. Der Ideenreichthum, der sich in den zarten
und sorgfältig ausgeführten Gemälden kund gibt, kann nicht genug
bewundert werden. Eben so bewundernswert ist die Pracht und
Schönheit der Farben, die sich in ihrer lebhaften Frische bis auf unsere
Tage erhalten haben. Durch meisterhafte Conception und Trefflichkeit
der Ausführung sind besonders ausgezeichnet folgende Bilder:
1. die Offenbarung der Majestät Gottes im Himmel, nach dem IV. und
V. Capitel der Apokalypse aufgefasst. Gott Vater am Throne vom
Strahlenglanze umschlossen, das Buch des Lebens haltend, dessen
Siegel das Lamm Gottes öffnet. Rings im Wolkenkranze die 24 Aeltesten
in weissen Gewändern, die ihre Harfen und Kronen vor dem
Throne neigen; im Vordergründe der apokalyptische Seher Johannes.
Wiewohl dieses Bild in mehreren böhmischen Gantionalen sich wiederholt,
so ist es nirgends in solcher Schönheit und Vollendung wie
hier ausgeführt. 2. Die Geburt Christi, ein durch die Innigkeit und
Naivetät der Auffassung ausgezeichnetes Bild, das in seiner reichen
prachtvollen Einfassung eine magische Wirkung hervorbringt. 3. Christus
mit der Siegesfahne über dem offenen Grabe. Die Gestalt Christi
ist überaus correct und kühn gezeichnet, das Antlitz voll Ausdruck
und Würde. 4. Die Himmelfahrt Christi. Die Gruppirung der zahl-