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Prof. Dr. K u r 1 O 11 o.
Lebens; daher ist der Gedankengang mitunter durch Abschweifungen
gehemmt, der Satzbau zuweilen schleppend, der Ausdruck nicht
immer gewählt. Schönrednerei lag ihm fern, wie den anderen Apologeten,
im Hinblick auf die schlichte Rede der heiligen Schriftsteller
des alten Testaments. Vpatpas vjj.iv dviazopsiv p.äAXw, oö xccrccmevyjv
Xöywy iv fj.övrj ziyyp iKiosi.y.vvoäai gizzvqvj '). Mitunter aber erhebt
sich seine Darstellung, zumal wenn er auf die Erhabenheit der christlichen
Sache und ihre Erfolge zu reden kommt 3 ).
Die christliche Überzeugung, welche Justinus durch Wort und
Schrift verkündigt hatte, besiegelte er durch seinen Tod. Im Jahre
166 erlangte er die Krone des Marterthums.
Die Apologeten des zweiten Jahrhunderts bewegen sich besonders
im Kreise derjenigen Lehren, hei welchen das Interesse der
Gegensätze des Judenthums und Heidenthums sowie des Gnosticismus
coineidirten; zur genaueren Erörterung anderer Probleme
fehlte die Nöthigung. Auch Justinus entzieht sich gern Speculationen,
die nicht im Zusammenhänge mit dem Glauben stehen; er
meidet Bestrebungen, die ohne Beziehung auf die Kirche sind. Fragen
wir genauer nach seiner dogmatischen Richtung, so kommt sein
Verhältniss zum Platonismus und Ebionitismus in Untersuchung.
Die Frage über den Platonismus der Väter, Justinus an ihrer
Spitze, ist seit Ausgang des 17. Jahrhunderts viel verhandelt worden,
und zwar meist einseitig, insofern als sie unbedingt entweder
bejaht oder verneint wurde. Wohl waren die alten Väter der platonischen
Philosophie zugeneigt: wegen der gegenseitigen Verwandtschaft
des Platonismus und des Christenthums. Aber diese Verwandtschaft
darf nicht zu weit ausgedehnt werden. Wenn in neuerer Zeit
bereits im Platonismus das sittliche Verderben Und die Erlösungsbedürftigkeit
angedeutet gefunden wurde, so ist dies nur zum Theil
richtig; denn die Erneuerung bei Platon ist mehr inteilectueller als
moralischer Art: sie ist Erneuerung durch Wissenschaft. Die Logoslehre
des vierten Evangeliums vermittelte‘Platonismus und Christenthum.
Die platonische Schule selber erfuhr Einwirkung vom Christenthume
her. Der Neuplatonismus entlehnte aus demselben die
Vorstellung über die Schöpfung der Welt frei aus Gott, indem er
’) Dial. c. Tr. c. 58.
2 ) Apol. I. c. 14. Dial. c. Tr. cc. 13. 34, 39. 110, 113, 132. 127. 134.