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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Dr.  K  u  r  1  O  11  o.

Lebens;  daher  ist  der  Gedankengang  mitunter  durch  Abschweifungen
gehemmt,  der  Satzbau  zuweilen  schleppend,  der  Ausdruck  nicht
immer  gewählt.  Schönrednerei  lag  ihm  fern,  wie  den  anderen  Apologeten, ­
  im  Hinblick  auf  die  schlichte  Rede  der  heiligen  Schriftsteller
des  alten  Testaments.  Vpatpas  vjj.iv  dviazopsiv  p.äAXw,  oö  xccrccmevyjv
Xöywy  iv  fj.övrj  ziyyp  iKiosi.y.vvoäai  gizzvqvj  ').  Mitunter  aber  erhebt
sich  seine  Darstellung,  zumal  wenn  er  auf  die  Erhabenheit  der  christlichen ­
  Sache  und  ihre  Erfolge  zu  reden  kommt  3 ).
Die  christliche  Überzeugung,  welche  Justinus  durch  Wort  und
Schrift  verkündigt  hatte,  besiegelte  er  durch  seinen  Tod.  Im  Jahre
166  erlangte  er  die  Krone  des  Marterthums.
Die  Apologeten  des  zweiten  Jahrhunderts  bewegen  sich  besonders ­
  im  Kreise  derjenigen  Lehren,  hei  welchen  das  Interesse  der
Gegensätze  des  Judenthums  und  Heidenthums  sowie  des  Gnosticismus
  coineidirten;  zur  genaueren  Erörterung  anderer  Probleme
fehlte  die  Nöthigung.  Auch  Justinus  entzieht  sich  gern  Speculationen,
  die  nicht  im  Zusammenhänge  mit  dem  Glauben  stehen;  er
meidet  Bestrebungen,  die  ohne  Beziehung  auf  die  Kirche  sind.  Fragen ­
  wir  genauer  nach  seiner  dogmatischen  Richtung,  so  kommt  sein
Verhältniss  zum  Platonismus  und  Ebionitismus  in  Untersuchung.
Die  Frage  über  den  Platonismus  der  Väter,  Justinus  an  ihrer
Spitze,  ist  seit  Ausgang  des  17.  Jahrhunderts  viel  verhandelt  worden, ­
  und  zwar  meist  einseitig,  insofern  als  sie  unbedingt  entweder
bejaht  oder  verneint  wurde.  Wohl  waren  die  alten  Väter  der  platonischen ­
  Philosophie  zugeneigt:  wegen  der  gegenseitigen  Verwandtschaft ­
  des  Platonismus  und  des  Christenthums.  Aber  diese  Verwandtschaft ­
  darf  nicht  zu  weit  ausgedehnt  werden.  Wenn  in  neuerer  Zeit
bereits  im  Platonismus  das  sittliche  Verderben  Und  die  Erlösungsbedürftigkeit ­
  angedeutet  gefunden  wurde,  so  ist  dies  nur  zum  Theil
richtig;  denn  die  Erneuerung  bei  Platon  ist  mehr  inteilectueller  als
moralischer  Art:  sie  ist  Erneuerung  durch  Wissenschaft.  Die  Logoslehre ­
  des  vierten  Evangeliums  vermittelte‘Platonismus  und  Christenthum.
  Die  platonische  Schule  selber  erfuhr  Einwirkung  vom  Christenthume
  her.  Der  Neuplatonismus  entlehnte  aus  demselben  die
Vorstellung  über  die  Schöpfung  der  Welt  frei  aus  Gott,  indem  er
’)  Dial.  c.  Tr.  c.  58.
2 )  Apol.  I.  c.  14.  Dial.  c.  Tr.  cc.  13.  34,  39.  110,  113,  132.  127.  134.
            
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