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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur  Charakteristik  des  heil.  Justinus  etc.

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Christen  an  den  Tag  legten,  ihrer  strafbaren  Unwissenheit  sich  entledigen ­
  könnten  *).
Sicher  sind  Justin’s  halieutischen  und  apologetisch-polemischen
Bestrebungen  in  Wort  und  Schrift  von  gutem  Erfolge  begleitet  gewesen. ­
  Daher  erklärt  sich  die  ausgezeichnete  Anerkennung,  welche
er  in  der  Kirche  fand.  Schon  von  Tatianus  wurde  er  als  ö  3caip.cccnürxros
  gepriesen,  und  von  Tertullianus  unter  die  viri  sanctitate  et
praestantia  insignes  gezählt 3 ).  Frühzeitig  erhielt  er  in  der  Kirche  3 )
das  Prädicat  „des  Philosophen  und  Märtyrers,”  weil  er  nach  seiner
Wanderung  durch  die  hellenischen  Philosophenschulen  im  Christenthume
  die  einzige  und  alleinbeseligende  Philosophie  fand,  sie  mit
begeisterter  Liebe  verkündigte,  und  selbst  der  irdischen  Güter
grösstes  für  sie  opferte.  Kirchliche  Schriftsteller  der  nächstfolgenden ­
  Zeit,  besonders  Irenäus  und  Tertullianus,  schlossen  sich
ihm  oft  an  in  wörtlicher  Entlehnung  von  Stellen  aus  seinen  Schriften.
Noch  Spätere,  wie  Eusebius,  muntern  zum  Studium  dieser  Schriften
auf.  Justinus  war  einer  der  gelehrtesten  Männer  seiner  Zeit:
Ko}.vp.x^£ix  re  xxi  iarop'iwv  nepippe6p.evo(  nlovrtp  —  sagt  Photius 4 ).
Er  hatte  die  hellenische  Literatur  kennen  gelernt;  mehrmals  überträgt ­
  er  in  seine  Schriften  Stücke  von  dorther,  vorzüglich  aus  Platon.
Sehr  betraut  war  er  mit  den  Büchern  des  alten  Testaments,  welche
er  nach  damaligem  Brauche  lediglich  in  der  griechischen,  auch  als
inspirirt  geltenden,  Übersetzung  las.  Einige  Irrthümer  und  Ungenauigkeiten, ­
  besonders  historischer  Art,  dürfen  wir  ihm  nicht  zu
hoch  anrechnen  5 );  dergleichen  linden  sich  auch  bei  anderen
Schriftstellern,  wie  die  Erzählung  von  der  griechischen  Übersetzung
des  alten  Testamentes 8 ).  Die  Darstellung  in  seinen  (anerkannt
echten)  Schriften,  den  beiden  Apologien  und  dem  Dialoge  mit
Tryphon,  ist  schmucklos.  Er  spricht  in  ihnen  die  Sprache  des

1  j  Ich  erkläre  mich  entschieden  gegen  die  Hypothese  Boll’s  (IUgen’s  Zeitschr.
f.  d.  histor.  Theol.  1842.  II.  3.  S.  3  ff.)<  beide  Apologien  hätten  ursprünglich
nur  eine  einzige  gebildet.  Vgl.  Leipz.  Repertor.  d.  deutsch,  und  ausländ.  Literatur ­
  1852.  N.  4.  S.  197  ff.
a )  Tatianus  Or.  ad  Gr.  c.  18.  Tertullianus  adv.  Valent,  c.  5,
3 )  Dafür  zeugt  Tertullianus  I.  c.
4 )  Biblioth.  cod.  125.
5 )  Apol.  I.  cc.  26.  31.  42.  62.  Dial.  c.  Tr.  cc.  34.  86.
“)  Apol.  I.  c.  31  ;  vgl.  Cohort.  ad  Gentt.  c.  13.  —  Dial.  c.  Tr.  c.  131,
            
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