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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

1  BO

fiiaz  Beidtel.

3.  Eine  dritte  Folge  der  Belastungen  des  Grundeigentums  mit
Hypothekarschulden  ist  die,  dass  viele,  dem  Landmann  von  der
Staatsverwaltung  zugedachte  Vortheile  z.  B.  die  Verminderung
oder  Aufhebung  des  Pfarrzehentes,  oder  der  Feudallasten,  die
Lage  der  Bauern  im  Allgemeinen  gegen  das,  was  sie  einst  war,  wenig
oder  gar  nicht  verbessert  haben.  Was  der  Grundbesitzer  an  Feudalabgaben ­
  oder  Zehenten  jetzt  erspart,  wird  nämlich  oft  überwogen,
auch  ganz  abgesehen  von  der  Erhöhung  der  Staatslasten  seines  Besitzes, ­
  durch  die  Summe  seiner  Interessenzahlungen.
4.  Auch  das  geht  aus  dieser  Stellung  hervor,  dass,  einige  grosse
Grundbesitzer  ausgenommen,  selten  ein  Grundbesitzer  viel  für  die
Verbesserung  seiner  Landwirthsehaft  tliun  kann.  Versuche  sind  ihrem
Resultate  noch  immer  ungewiss  und  wer  bereits  mit  Schulden  beladen ­
  ist,  scheuet  sich,  eines  Experimentes  wegen,  neue  Schulden  zu
machen.  Ueherhaupt  bat  man  in  jener  Zeit,  in  Avelcher  man  der  Bodenverbesserung ­
  wegen,  dem  Grundeigenthümer  einen  möglichst
grossen  Realcredit  verschaffen  wollte,  das.  was  von  Verbesserungen
dieser  Art  zu  erwarten  sei,  viel  zu  hoch  angeschlagen.  Man  findet
in  dem  Lehrbuche  von  Sonnenfels  *).  der  einen  grossen  Einfluss  auf
die  österreichische  Gesetzgebung  hatte,  wie  viel  er  von  dem,  was  man
heut  zu  Tage  SpatenwirthSchaft  nennt,  erwartete.  Ungeachtet  seit
beinahe  einem  Jahrhundert  für  die  Vervollkommnung  der  Landwirtschaft ­
  viel  geschah,  haben  sich  die  Vervollkommnungen  doch  meistens
nur  auf  den  grossen  Grundbesitz  beschränkt  und  wahrscheinlich  den
lotalertrag  der  Ernten  in  Deutschland,  in  so  fern  nicht  der  Anbau  von
Mais  oder  Knollengewächsen  Unterschiede  hervorbringt,  nach  dem
Urtheil  der  erfahrensten  Landwirthe  kaum  um  drei  Procente  gesteigert. ­

5.  Die  Belastung  des  Grundeigenthums  mit  Buch-Schulden  hat
ferner  zu  einem  grossen  Wechsel  der  Besitzer  geführt.  Der  eine
verkauft  aus  Noth,  der  andere  aus  Speculation,  das  Grundeigenthum
ist,  wie  Leinwand  oder  Tuch,  eine  Waare  geworden,  welche  aus  einer
Hand  in  die  andere  geht.  Jene  innige  Verbindung,  welche  ehemals  bei
')  Handlungswissenschaft.  Auflage  von  1771,  Seite  110,  111  in  der  Anmerkung,
wo  behauptet  wird,  der  Besitzer  von  ein  Paar  Joch  Feld  würde  dabei  eine
grössere  Ernte  haben,  als  der  Besitzer  von  acht.loch,  welche  auf  die  gewöhnliche ­
  Art  bestellt  würden.
            
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