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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Ein  spanisches  Frohnleichiuunsspiel  vom  Todtenlanz.

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nur  über  diesen  Rückfall  staunen  kann.  Aber  auch  für  die  Sittengeschichte ­
  hietet  sie,  ausser  eben  dieser  Thatsaehe,  sehr  wenig  Bemerkenswerthes.
  Wie  äusserst  dürftig  und  trivial  die  Fabel  ist,  wird
aus  folgender  Analyse  erhellen.  Ein  Student  und  Soriano,  ein  verabschiedeter ­
  herrschaftlicher  Reitjunge  (mozo  de  espuelas),  treffen
sich,  klagen  sich  gegenseitig  ihre  Annuth  und  Noth,  wobei  jeder  die
wenig  lohnenden  Aussichten  und  um  so  grösseren  Beschwerden  seines
Standes  schildert,  und  verabreden  sich,  eine  wohlhabende  Schöne
aufzusuchen  und  ihr  den  Hof  zu  machen,  um  dadurch  zu  Geld  zu
kommen;  sei  es  auch,  indem  sie  sie  bestehlen  und  dann  sitzen  lassen
sollten.  Dazu  müssen  sie  aber  vor  Allem  bessere  Kleider  borgen,
was  der  Student  durch  den  Credit  seiner  Freunde  möglich  zu  machen
verspricht,  und  der  eine  als  galanter  Cavalier,  der  andere  als  sein
Diener  erscheinen;  die  erstere  Rolle  fällt  dem  Studenten  zu,  der
Mozo  bleibt  durch  Uebernahme  der  anderen  in  seinem  Fache.  Noch
bevor  sie  dies  ausführen,  kömmt  ihnen  ein  betrunkene?  Biscayer  in
den  Wurf,  für  welchen  der  Student  um  einen  Real  einen  Brief  an
dessen  Angehörige  nach  Hause  schreibt,  und  der  Junge  einer  Kaldaunenverkäuferinn,
  der  Tölpel  (bobo)  des  Stückes,  dem  sie  in  das
Haus  seiner  Mutter  folgen,  und  als  sie  dort  einen  Schinken  stehlen
wollen,  von  ihm  ausgeprügelt  werden.  Müssige  Scenen  als  komische
Würze  aber  vom  gröbsten  Schrot.  Damit  schliesst  die  erste  Jornada.
  Die  zweite  führt  uns  in  das  Haus  der  Heldinn  des  Stückes,
Salamantina,  der  Tochter  eines  wohlhabenden  Landedelmannes,  ein;
der  von  dem  auf  seinem  Landgute  abwesenden  Vater  gesandte  Bote,
ein  Hirte,  überfällt  gleich  bei  seinem  Eintritte  ins  Haus  keineswegs
mit  arkadischen,  sondern  sehr  brutalen  Liebkosungen  die  Zofe  1  eresa,
  die  sich  vor  seinen  handgreiflichen  Zudringlichkeiten  nicht  an-Uebrigens

  ist  dieser  'Introito  ein  mit  dem  Stücke  in  gar  keinem  Zusammenhang ­
  stehendes  Quodlibet,  in  welchem  der  Autor  (Verfasser  oder
Schauspieldirector,  wahrscheinlich  beides  zugleich)  dem  Publicum  seine
Lazzi  Vormacht  (er  selbst  sagt  davon:  contando’s  cosas  de  loco)  die  mitunter ­
  sehr  unanständig  sind,  und  höchstens  dadurch  einen  Vorgeschmack
von  dem  im  Stücke  herrschenden  Ton  geben;  von  dessen  Argument  aber
nichts  enthält  und  nur  kurz  dessen  am  Schluss  erwähnt:
que  es  vna  farsa  muy  fina»  Es  un,  muy  nueuo  argumento
llamada  Salamantina;  de  vnos  amores  lingidos,
lo  demas,  bien  lo  vereys  en  cin.co  autos  repartidos  .  .  .
su  intento.
            
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