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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Ueber  die  Geisterlehre  der  Moslimen.

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liehen  Teufel,  welcher  Omm  efs-fsihjan,  d.  i.  Mutter  der  Knaben,
heisst.  Der  Glauben  der  Moslimen  an  die  Kraft  solcher  Verträge,
erhellet  aus  besonderen  Werken,  die  darüber  bestehen.  In  die  Classe
solcher  Werke  gehört  auch  das  persische  in  der  Bibliothek  des  Joanneums ­
  zu  Gratz,  dessen  Anfang  und  Ende  fehlt,  auf  dessen  Einband
aber:  Gemälde  geistiger  Arzney  steht,  was  vielleicht  der  Titel
desselben.  Darin  erscheinen  zwei  und  siebzig  Teufel  und  Engel  vor
Salomon,  der  auf  dem  Throne  sitzt  und  dieselben  zwingt,  ihm  die
Talismane  und  Amulete  wider  eben  so  viele  Krankheiten  anzusagen,
jeder  dieser  Daimone  hat  eine  phantastische  Gestalt  und  willkürlichen
Namen.  Ethisch  und  psychologisch  ist  von  der  höchsten  Merkwürdigkeit ­
  der  Glauben  des  Moslims  an  die  Kraft  geschriebener  Verträge
und  der  Aberglauben  Lord  Byron’s  an  die  Abschrift  eines  solchen,  die
er  um  den  Hals  trug.  Wiewohl  Salomon  durch  den  Koran  als  Herrscher ­
  der  Menschen  und  Daimonen  beglaubigt  ist  und  durch  seine
Macht  die  letzten,  Verträge  einzugehen  zwingen  kann,  so  sind  sie  doch
nur  durch  ihr  schriftliches  Wort  gebunden  von  der  Qual  der  Menschen ­
  abzustehen.  Das  Amulet  ist  halb  türkisch,  halb  arabisch,  die
Erzählung  des  Gespräches  mit  Salomon  türkisch,  der  Vertrag  selbst,
der  aus  Koranstexten,  Gebeten  und  Zufluchtsformeln  besteht,  arabisch,
die  Gebete  sind  die  Adams,  No  es,  Jobs,  Jonas,  Abrahams;  der
Inhaber  dieses  Amuletes  Ibrahim  der  Sohn  Mustafa’s  i.  J.  der  Hidschret
1166  (1763).  Schwerlich  war  Lord  Byron  mit  dem  Inhalte  dieses
seines  Amuletes  vollkommen  bekannt,  aber  dass  er  es  trug  beweiset
seinen  Aberglauben  an  diesen  Vertrag  Salomon’s  mit  dem  Teufel,  kraft
dessen  dieser  dem  Träger  nichts  Böses  anhaben  kann.  Die  Daimonologie
  der  Moslimen  ist,  wie  aus  dieser  Abhandlung  ersichtlich,  schon
grösstentheils  vor'  dem  Islam  da  gewesen  und  die  wenig  bekannte
Mythologie  der  alten  Araber  war  eine  weit  ausgebreitete.  Beweis  genug
ist  das  halbe  Hundert  ihrer  Idole,  wovon  jedes  besondere  Namen  und
besondere  Geschichte  hatte.  Herr  Renan  (im  Decemberhefte  der
Reime  desdeux  mondes)  hat  also  eben  so  Unrecht  die  Mythologie
der  alten  Araber  vor  dem  Islam  zu  läugnen,  als  zu  behaupten,  dass
Mohammed  seine  Sendung  durch  keine  Wunder  habe  beglaubigen
wollen.
            
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