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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  den  Unterschied  von  Reichsstädten  und  Landstädten.

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und  insbesondere  für  Wien  erhob,  gipfelte  ausschliesslich
darin,  ob  Reichsunmittelbarkeit  und  Reichsstandschaft  oder
Landstandschaft  und  herrschaftliche  Abhängigkeit  eintreten
würde.  Gegenüber  diesem  Lebensprincipe  des  Städtewesens
steht  jede  andere  Betrachtung  zurück,  und  das  Vorhandensein
einer  starken  reichsstädtischen  Rathspartie  unter  Paltram  gehört
daher  zu  den  allereingreifendsten  und  wichtigsten  Erscheinungen
der  gesammten  Stadtgeschichte  von  Wien.  Wer  diesen  Umstand
auch  nur  einen  Augenblick  vergessen  oder  verkennen  würde,
von  dem  müsste  man  sagen,  dass  ihm  das  Wesen  der  städtischen ­
  Entwicklung  und  der  städtischen  Kämpfe  im  letzten
Viertel  des  13.  Jahrhunderts  nicht  ganz  deutlich  wäre.
Bekanntlich  ist  nun  der  Umstand,  dass  wir  keine  volle
Klarheit  über  das  urkundliche  Material  besitzen,  welches  mit
der  Geschichte  Rudolfs  I.  und  seines  Sohnes  Albrecht  in  Wien
zusammenhängt,  einigermaassen  störend  für  die  richtige  und
leichte  Erkenntniss  der  Entwicklung,  indessen  liegen  doch
gewisse  feststehende  Tliatsachen  vor,  aus  denen  der  Ernst  und
die  Hartnäckigkeit  der  Situation  vollkommen  deutlich  hervorgeht
  und  welche  man  sich  gegenwärtig  halten  muss:  1.  Die
Unterwerfung  Wiens  durch  Rudolf  I.  im  Winter  von  127G/77;
2.  der  Widerstand  und  Aufruhr  gegen  denselben  im  Sommer
1278;  3.  der  Widerstand  gegen  Albrecht  von  1283—1288;
4.  die  erzwungene  Huldigung  des  Raths  von  1288;  5.  der  grosse
Aufruhr  der  ganzen  Stadt,  welchen  die  Reimchronik  beschreibt
und  dessen  chronologische  Einreihung  nicht  leicht  möglich  ist;
6.  die  Unterwerfung  unter  die  Landeshoheit  im  Jahre  129G.
Alle  diese  Tliatsachen,  welche  so  sicher  stehen,  dass  man  sie
bei  einer  blossen  Untersuchung  auf  das  urkundliche  Material
hin,  als  selbstverständlich  voraussetzen  konnte,  beweisen  klar,
welche  gewaltige  Bewegung  durch  zwanzig  Jahre  hindurch  die
Frage  der  Rathsfreiheit  und  Reichsstandschaft  in  Wien  verursacht ­
  hatte.  Es  wird  später  unsere  Aufgabe  sein,  das  Resultat
dieser  Kämpfe  zu  cliarakterisiren.  Vorläufig  sei  es  gestattet,
auf  jene  urkundlichen  Zeugnisse  hier  nochmals  zurück  zu
kommen,  welche  für  die  Beziehungen  Wiens  zum  König
Rudolf  I.  maassgebend  sind.
            
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