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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

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M  u  tli.

Meerweibern  wird  Auskunft  über  die  Ueberfahrt  über  den
Strom,  von  dem  Fergen  diese  selbst,  von  Eckewart,  wie  harmlos ­
  die  Erzählung  dies  auch  gestaltet,  der  Eintritt  in  die  Mark,
die  er  hütet,  gefordert;  die  Meerweiber  und  Eckewart  warnen
vor  weiterem  Vordringen,  der  Ferge  wehrt  es.  Ueberall  handelt ­
  es  sich  also  um  ein  gewaltthätiges  Eindringen  in  ein  abgeschlossenes, ­
  gehütetes  Gebiet;  jedesmal  wird  es  durch  List
oder  Gewalt,  Raub  der  Kleider  und  des  Schwertes  können
als  beides  aufgefasst  werden,  ertrotzt.  Haben  wir  demnach
Varianten  einer  Sage,  so  handelt  es  sich  darum  zu  bestimmen,
welche  die  älteste,  welche  zuletzt  eingedrungen  und  wie  dieselben ­
  mit  einander  verknüpft  worden  sind.
Integrierender  Bestandtheil  der  Nibelungensage  ist  nur  die
Warnung  durch  Eckewart,  der  aber  hier  wie  in  Riideger’s  Dienst,
so  auch  nur  als  eine  Function  desselben  erscheint,  denn  in  dem
Klimax  der  Warnungen,  im  Liede:  Ute,  Meerweiber,  Eckewart,
in  der  Sage  ursprünglich  Ute,  Rumolt,  ein  Genosse  der  Kriernliild,
  entweder  Eckewart  oder  Rüdeger  oder  Dietrich,  gebührt
diese  Stelle  dem  Rüdeger;  das  beweist  der  Umstand,  dass  hier
die  Warnung  erfolgt  im  Dienste,  d.  h.  ja  wohl  im  Aufträge,
nicht  etwa  aus  spontaner  Dankbarkeit  Eckewart’s,  die  schlecht
zu  der  Erinnerung  an  Siegfried  stimmen  würde,  und  dass  in
der  Thidrekssaga  Rüdeger’s  Gattin  mit  Worten  warnt,  die  im
Nibelungenliede  Dietrich  in  den  Mund  gelegt  sind  (c.  369  =
1662,  4);  jenes  offenbar  nach  alter,  guter  Ueberlieferung,  da
nach  ihrer  hochdeutschen  Quelle  die  Saga  Dietrich’s  Worte,
auf  diese  Weise  müssig,  wenig  später  c.  375  wiederbringt.
Alle  Fäden  laufen  also  in  Rüdeger  zusammen,  dem  somit  dieser
Platz  gebührt;  dass  Dietrich  an  seine  Stelle  trat,  geschah  erst,
als  oder  weil  er  gegenüber  dem  naiv  vertrauenden  Rüdeger  den
vorschauenden,  vorsichtig  und  bedächtig  erwägenden  König  darstellen ­
  sollte,  aus  x - ein  ethischen  Motiven.  Die  beiden  letzten
Spuren,  ganz  verschieden  und  jede  selbständig  beglaubigt,  Eckewart’s ­
  Warnung  in  Rüdeger’s  Dienste  und  die  der  durchaus
unselbständigen  Gotelinde  mit  Worten,  die  wiederholt  werden
aus  einer  anderen  Quelle,  wo  sie  sich  in  eines  anderen  Helden
Munde  finden  —  ein  prägnant  ausgedrücktes  episches  Bild,  das
somit  uralt  ist,  weil  es  jener  Periode  der  Dichtung  entstammt,
in  der  Rüdeger’s  Rolle  noch  wichtiger  war  als  die  Dietrich’s
            
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