Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

652

Math.

854,  2.  ,so  wil  ich  jagen  riten  hem  und  swin,
hin  ze  dem  Wasken  walde  als  ich  vil  dike  hdn.‘
Die  Version,  wonach  die  verhängnissvolle  Jagd  in  den
Vogesen  stattgehabt  hätte,  erhält  durch  die  Stelle  des  Biterolf
eine  unvermuthete  Bestätigung;  es  scheint  dies  die  in  Oesterreich ­
  gang  und  gäbe  Ansicht  gewesen  zu  sein,  vielleicht  erklärlich ­
  durch  die  Popularität,  die  ebendaselbst  die  Walthersage ­
  genoss.  Es  fällt  damit  auch  ein  erwünschtes  Streiflicht
auf  die  Heimat  des  VII.  Liedes  und,  da  dieses  nur  zur  Verbindung ­
  des  VI.  und  VIII.  eingefügte  Branche  ist,  auch  des
betreffenden  Liederbuches.
Noch  bleibt  aber  die  auffallende  Thatsache  unerklärt,  dass
der  Verfasser  des  Biterolf  in  seiner  Anspielung  den  Wasgenwald
  mit  einer  Stelle  verknüpft,  die  sich  in  unserem  Texte
wenigstens  auf  einen  anderen  Schauplatz  bezieht;  mit  der
Erklärung,  dass  ihm  unser  Nibelungenlied  vorlag,  was  übrigens
sattsam  widerlegt  ist,  ist  nichts  geholfen;  zudem  liegen  Str.  854
und  941  um  vierhundert  Langverse  auseinander,  so  dass  es
wohl  Niemandem  eingefallen  wäre,  beide  in  einer  Anspielung
zu  vereinigen.  Man  muss  annehmen,  dass  dem  Verfasser  des
Biterolf  ein  Lied  vorlag,  das  eine  dem  Wortlaute  nach  entsprechende ­
  Stelle  enthielt,  an  welche  sich,  etwa  wie  in  C  die
Benennung  des  Odenwaldes,  die  Angabe  des  Wasgenwaldes
als  Schauplatz  schloss.  Dass  dabei  zwei  charakteristische  Reime
des  VIII.  Liedes  tan  (875,  3.  883,  3.  887,  1.  841,  3)  und
halt  :  walt  (859,  1.  871,  1.  872,  3  bis  869,  1)  begegnen,
zeigt  nur,  dass  dieser  Gesang  mit  seinem  alterthümlichen  Gepräge, ­
  dem  bei  seiner  völligen  Verschiedenheit  von  allen
übrigen  Theilen  des  Epos,  auch  den  ältesten  wie  IV  und  XIV,
selbst  von  den  entschiedensten  Gegnern  der  Liedertheorie  der
Charakter  einer  epischen  Rhapsodie  zugestanden  wird  (H.  Fischer, ­
  Nibelungenlied  oder  Nibelungenlieder?  8.  85),  Stil  und
Ton,  Formeln  und  Wendungen  älterer  Dichtung  bewahrt  hat.
In  diesem  Abschnitte  archaisiren  deshalb  auch  die  Interpolatoren ­
  wie  die  Fortsetzer  (vgl.  unsere  854,  2  hem  unde  swin
mit  859,  3,  4).
Dem  Dichter  des  Biterolf  lag  also  ein  älteres  Lied  vor,
das  zwar  die  Jagd  in  den  Wasgenwald  verlegte,  formell  aber
die  grösste  Aehnlichkeit  mit  unserem  VIII  hatte,  das  unter
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.