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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

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lieber  eine  Schichte  älterer,  im  Epos  nachweisbarer  Nibelungenlieder.  645
die  ein  abgerundetes,  in  sicli  geschlossenes  Bild  enthält;  dann
die  langsam  sich  entwickelnde  Deutung,  die  von  17  an  in’s
Weichliche  übergeht,  bis  20  so  neu  anhebt,  wie  wohl  ein
epischer  Gesang  beginnen  kann,  und  in  dem  viel  besprochenen ­
  ,raschen,  etwas  herben'  Tone,  der  von  nun  an  für  diesen
Abschnitt  charakteristisch  bleibt.  Dieser  Neub.eginn  ist  um  so
auffallender,  als  Str.  17—19,  die  sich  auf  den  endlichen  Ausgang ­
  des  ganzen  Epos  beziehen,  deutlich  zur  Anknüpfung  der
vorausgehenden  Strophen  eingeschaltet  sind  ;  Str.  45  wird  Kriemhild
  und  mit  Emphase  neu  eingeführt;  Str.  47,  2,  3  spielt  auf
die  Worte  15,  3,  4  in  einer  Weise  an,  die  deren  Vorhandensein
in  demselben  Gedichte  keineswegs  voraussetzt:  14,  1,  2  steht
der  Reim  Voten:  giioten  in  der  ersten  Hälfte  des  Epos  ganz
vereinzelt;  1  doch  darf  der  archaische  Reim  nicht  neben  dem
Wechsel  des  Tones  von  13  zu  14  geltend  gemacht  werden;
die  Strophen  13  —16  scheinen  denn  doch  einem  Autor  zu
gehören,  der  die  conjugatio  periphrastica  13,  4.  14,  4  vergl.
suln  15,  4.  16,  2  und  Synkope,  selbst  in  letzter  Senkung
(riters  lip)  liebt.  Dass  der  Autor  dieses  Liedes  auch  sonst
ganze  Strophenreihen  anderen  Liedern  entnommen  hat,  ist  sehr
zu  beachten  ;  Str.  17  —  19,  die,  wie  gesagt,  auf  das  Ende  weisen,
könnten  übrigens  bereits  mit  13  -  16  aus  einer  älteren  Gesammtdarstellung
  genommen  sein  —  dem  gleichen  Autor  beide  Gruppen
zuzuschreiben  ist  unmöglich  —  weil  13  —19  gerade  eine  Heptade
ist,  die  letzte  Hand  unseres  Ordners  die  Heptadenordnung  aber
nicht  mehr  beachtet  hat;  doch  ist  das  eine  unerweisliche  Annahme. ­
  Apodiktische  Sicherheit  dafür,  dass  dieser  Absatz  einem
älteren  Liede,  und  ob  wörtlich  entnommen  ist,  liegt  nicht  vor,
doch  ist  die  Existenz  alter  Gesänge  dieses  Inhaltes  unzweifelhaft ­
  und  nicht  verächtliche  formelle  Umstände  sprechen  gegen
die  Autorschaft  des  Dichters  des  I.  Liedes.
3.
1.  Lied,  Strophe  77  fg.  Von  Strophe  69  zeigt  Lachmann
Anm.  S.  18,  dass  sie  neben  73  nicht  bestehen  könne;  70  ver-1
  Doch  sehe  ich  mich  veranlasst,  nachträglich  zu  bemerken,  dass  I.  84,  l
auch  den  Reim  Hagene  :  degene  hat,  der  in  der  ersten  Hälfte  nur
viermal  (84.  386  810.  813)  erscheint,  gegen  nahezu  40  Fälle  im  zweiten ­
  Theile.
            
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