Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  eine  Schichte  älterer,  im  Epos  nachweisbarer  Nibelungenlieder.

641

Nibelungenliedes  ist  eine  Nothwendigkeit  und  ein  Zufall:  eine
Nothwendigkeit  in  Bezug  auf  Alter  und  Heimat,  denn  wie  nur
in  Oesterreich  und  nur  nach  dem  dritten  Kreuzzuge  die  geistigen ­
  Vorbedingungen  für  diese  Dichtungen  gegeben  waren,
war  sie  andererseits  der  natürliche  Culminationspunct  und
Abschluss  dieser  Periode  phantastischer  Erregung;  ein  Zufall,
wie  es  wird,  zufällig  die  erste  Aufzeichnung,  absichtlich  zwar
die  Sammlung,  aber  zufällig  ihr  Umfang,  lückenhaft,  landschaftlich ­
  gefärbt,  wechselnd  im  Tone,  bald  modern,  bald
archaistisch,  unklar  in  den  Motiven,  aber  rein  und  klar  im
Versbau,  würdig  in  der  Charakterzeichnung,  meist  verständig
geordnet,  die  Sprache  streng,  die  Darstellung  angemessen,
eines  der  besten  Producte  seiner  Zeit,  in  seiner  Naivetät  eines
der  hervorragendsten  Denkmale  der  Volkspoesie  aller  Zeiten,
des  Beifalles  werth,  den  es  gefunden,  stark  genug  dem  Zahn
und  den  Stürmen  der  Zeit  zu  trotzen,  ein  Hort  des  Volkes,
der  wie  das  Gold  der  Zwerge  in  den  tiefsten  Schachten  der
mütterlichen  Erde,  so  in  der  innersten  Falte  des  vollen  Herzens ­
  geborgen  war,  bis  er  zu  guter  Stunde  entzaubert  hervortrat ­
  an,  das  er  wohl  vertrug  und  überstrahlte,  das  volle  Licht
des  Tages!
1.
Einleitung,  Strophe  11.  Fachmann  weist  Anm.  S.  7,  9  hin
auf  die  Zusammengehörigkeit  der  Strophen  4,  9,  10:  in  denselben ­
  werden  in  kunstgerechter  Form  zwölf  Burgonden  aufgezählt, ­
  angeordnet  in  Gruppen  zu  je  drei:  3  Könige,  3  von
der  Tronjer  Sippe,  3  Herren  vom  Hofe,  3  Hofämter;  die  Anordnung ­
  zeigt  alte  Elemente;  wie  die  drei  Könige  durch  Alliteration, ­
  sind  die  Inhaber  der  drei  Hofämter  durch  Anomination
ebunden.
.  Ir  phlägen  dri  künege  edel  unde  rieh,
Gunthere  unde  Gernot  die  recken  lobelich,
und  Giselher  der  junge  ein  üz  erwelter  degen.
diu  frouwe  was  ir  sivester  die  fürsten  hetens  in  ir  pflegen.
9.  Daz  was  von  Troneje  Hagene  und  ouch  der  bruoder  sin,
Dancwart  der  vil  snelle,  und  von  Metzen  Ortwin,
die  zioene  maregräven,  Gere  und  Eckewart,
Volker  von  Alzeije,  mit  ganzen  eilen  wol  bewart.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.