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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  eine  Schichte  älterer,  im  Epos  nachweisbarer  Nibelungenlieder.

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Lied,  dem  sie  eingefügt  werden  sollen,  in  der  Regel  die  eben
auftauchende  niedere  Siegfriedsdichtung  ihre  Quelle;  —  vielmehr ­
  sind  sie  integrirende  Theile  der  Dichtung  und,  da  in  derartiger ­
  Auswahl  auch  ein  ungebildeter  Geschmack  nicht  leicht
fehlgreift,  oft  die  schönsten  und  kräftigsten  Stellen.
Auf  grosse  Schwierigkeit  stösst  jedoch  die  Feststellung
des  Resultates;  apodictische  Sicherheit  liegt  nur  dort  vor,
wo  durch  Relationen  zu  einer  anderen  Quelle  ein  äusseres
Zeugniss  gewonnen  wird,  alles  Andere  ist  Hypothese  —
nur  wo  sie  durch  formelle  Gründe  gestützt  wird,  überhaupt
zulässig.
Demgemäss  ist  bei  dem  Umfange  des  Epos  und  der  Umständlichkeit ­
  der  Untersuchung  das  Ergebniss  nicht  eben  ein
reichhaltiges,  immerhin  aber  genügend  für  eine  Reihe  der
wichtigsten  Folgerungen.  Mit  strenger  Scheidung  des  Sicheren,
Wahrscheinlichen  und  Möglichen  ergibt  sich  aus  den  folgenden
Specialuntersuchungen:
Einem  älteren  Liede  wörtlich  entnommen  sind  Stf.  11
der  Einleitung,  VIII.  941,  XIV.  1462,  XX.  2064,  2125,  2218
;  XIX.  2015);  ebenso  beruhen  auf  einem  älteren  Liede,  aber
ohne  dass  sich  entscheiden  liesse,  inwieweit  wörtlich,  I.  77—85;
höchst  wahrscheinlich  ist  eine  derartige  Derivation  bei  XII.  1279,
1280;  nur  möglich  bei  I.  13—19,  XVII  b.  1849'—-57;  Str.  88
bis  101  sind  ein  Einschub,  aus  der  niederen  Volkspoesie  aufgegriffen. ­

Haben  wir  oben  theoretisch  und  im  Princip  die  Berechtigung ­
  einer  solchen  Untersuchung  dargethan,  so  ist  der  Erfolg
derselben,  ohne  dass  wir  uns  desshalb  im  Kreise  bewegen,  eine
Bestätigung  für  die  Richtigkeit  unserer  Prämissen.  Die  Existenz
von  Nibelungenliedern  hat  Niemand  bestritten;  aber  über  ihre
Form  war  die  Discussion  eine  offene.  Hier  nun  wird  die  Frage
zur  Entscheidung  gebracht,  und  zwar  •—•  darin  liegt  die  Bedeutung ­
  dieser  Entscheidung  —  in  einer  Weise,  die  völlig
unabhängig  ist  von  der  Frage  um  Einheit  oder  Composition?
Denn  auch  wer  an  der  Einheit  festhält,  muss  an  den  betreffenden ­
  Stellen  die  Benützung  nicht  der  nächstbesten  Vorlage,
sondern  eines  Liedes  gleicher  Form  zugestehen.  Ob  nun  die
Sänger  oder  der  Dichter  die  Lieder  der  älteren  Schichte  benützt ­
  haben,  ist  ganz  irrelevant;  es  genügt  an  der  Thatsache
            
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