Ueber eine Schichte älterer, im Epos nachweisbarer Nibelungenlieder.
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Lied, dem sie eingefügt werden sollen, in der Regel die eben
auftauchende niedere Siegfriedsdichtung ihre Quelle; — vielmehr
sind sie integrirende Theile der Dichtung und, da in derartiger
Auswahl auch ein ungebildeter Geschmack nicht leicht
fehlgreift, oft die schönsten und kräftigsten Stellen.
Auf grosse Schwierigkeit stösst jedoch die Feststellung
des Resultates; apodictische Sicherheit liegt nur dort vor,
wo durch Relationen zu einer anderen Quelle ein äusseres
Zeugniss gewonnen wird, alles Andere ist Hypothese —
nur wo sie durch formelle Gründe gestützt wird, überhaupt
zulässig.
Demgemäss ist bei dem Umfange des Epos und der Umständlichkeit
der Untersuchung das Ergebniss nicht eben ein
reichhaltiges, immerhin aber genügend für eine Reihe der
wichtigsten Folgerungen. Mit strenger Scheidung des Sicheren,
Wahrscheinlichen und Möglichen ergibt sich aus den folgenden
Specialuntersuchungen:
Einem älteren Liede wörtlich entnommen sind Stf. 11
der Einleitung, VIII. 941, XIV. 1462, XX. 2064, 2125, 2218
; XIX. 2015); ebenso beruhen auf einem älteren Liede, aber
ohne dass sich entscheiden liesse, inwieweit wörtlich, I. 77—85;
höchst wahrscheinlich ist eine derartige Derivation bei XII. 1279,
1280; nur möglich bei I. 13—19, XVII b. 1849'—-57; Str. 88
bis 101 sind ein Einschub, aus der niederen Volkspoesie aufgegriffen.
Haben wir oben theoretisch und im Princip die Berechtigung
einer solchen Untersuchung dargethan, so ist der Erfolg
derselben, ohne dass wir uns desshalb im Kreise bewegen, eine
Bestätigung für die Richtigkeit unserer Prämissen. Die Existenz
von Nibelungenliedern hat Niemand bestritten; aber über ihre
Form war die Discussion eine offene. Hier nun wird die Frage
zur Entscheidung gebracht, und zwar •—• darin liegt die Bedeutung
dieser Entscheidung — in einer Weise, die völlig
unabhängig ist von der Frage um Einheit oder Composition?
Denn auch wer an der Einheit festhält, muss an den betreffenden
Stellen die Benützung nicht der nächstbesten Vorlage,
sondern eines Liedes gleicher Form zugestehen. Ob nun die
Sänger oder der Dichter die Lieder der älteren Schichte benützt
haben, ist ganz irrelevant; es genügt an der Thatsache