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TJeber eine Schiclite älterer, im Epos nachweisbarer Nibelungenlieder. 637
in den einen heroische Einfachheit, Reichthum des Inhalts,
epische Knappheit, sprunghafte Darstellung, Schwerfälligkeit
der Reime, fehlende Senkung, stehende Formeln; in den
anderen Wechsel des Ausdrucks, Vernachlässigung der strengen
metrischen Regeln, dafür Sorgfalt im Reimen, breite Ausführung,
behagliche Schilderung, gehaltlose Leere, höfischer
Frauendienst; dort Kämpfe, hier Spiele; dort tragische Erschütterung,
hier kunstvolle Unterhaltung. Das IV., VIII.,
XIV., auch das XVI. Lied haben als Beispiele ältesten, III.,
IV. b., XII., XV. als Belege für die Entartung des epischen
Stiles zu gelten; andere ei; ÜTcoXvjikw? gedichtet, branches nach
der Terminologie des französischen Epos, sind einfach, aber
farblos; wieder andere, die Aristien einzelner Helden, Erzeugnisse
der österreichischen Ritterschaft, nehmen, zwar arm
an sachlichem Gehalt, aber edlen Stiles, eine gewisse Mittelstellung
ein.
Nehmen wir nun ganz willkürlich, aber nicht um viel
fehlgreifend an, die ältesten dieser Lieder seien um 1190 entstanden,
so haben um 1190 gewiss noch andere Lieder existirt,
die den gleichen Charakter trugen, auch Lieder noch älteren
Gepräges; denn die Sammlung zum Epos entsteht, während
eine niedere Strassenpoesie bereits üppig wuchert (Str. 101,
939, 5—8 u. dgl.). Die Volkspoesie, die nicht erfinden will,
hat stets eine Tradition der Sage und eine Tradition der Kunstform
verbunden; wir dürfen annehmen, dass, wenn 20 Lieder
in der gleichen Strophe existirten, diese die gewöhnliche für
derlei Gesänge war. Volkspoesie ist formelhaft, sie hält zäh
an traditionellem Brauche: wir werden die kunstvolle Anordnung
in Zwölfzahl zu besprechen haben. Es darf uns daher
nicht wundern, in den einzelnen Liedern, in den verwandten
Epen, Kudrun, Biterolf, Klage, Laurin, vor allen im Alphart,
ja in der nur auf verwandte Quellen zurückgehenden Thidrekssaga
denselben Wendungen, stehenden Beiwörtern, Formen der
Anrede, Tropen, Phrasen und Formeln zu begegnen. Wie der
Zug der Sage, dass den auf der Fahrt zu Etzel über einen
Strom setzenden Burgonden die Ruder zerbrechen, durch alle
Jahrhunderte in allen Versionen der Sage wiederkehrt, so auch
gewisse an sich unwesentliche Reden und Wendungen: Warnung
und Ausruf vor Allem. Würden wir, was man schmerzlich