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M u th.
Wie später die Redactionen, hatten sich früher die einzelnen
Theile des Epos entwickelt; Lachmann hat drei Phasen
vorausgesetzt, indem er annahm, dass der zweite Theil eine
Sonderexistenz geführt und vorher noch in wesentlich abweichender
Gestalt, Lieder von ähnlichem Inhalt, vorhanden
gewesen sei'. Unmittelbar vor diesen letzten Stufen liegen die
Liederbücher, wie MüllenhofF gezeigt hat; aber jeder sammelnden
Thätigkeit läuft auch die der Interpolatoren parallel.
Da die Lieder, die sich auf einen bestimmten Punct der
Erzählung stellen und eine einzelne Thatsache behandeln oder
eine Begebenheit in ihrem Verlaufe oder ihren Folgen darstellen
oder endlich nur den Zusammenhang zwischen auseinanderliegenden
Situationen vermitteln, nicht von vorneherein
zum Zwecke der Sammlung gedichtet sind und ihre Vereinigung
zu einem pragmatischen Ganzen befriedigte, wenn, wie es
geschah, ein leidlich vollständiger und leidlich klarer Gang
der Erzählung hergestellt war, ist anzunehmen, dass neben
ihnen noch andere existirten: oder wer die Einheit des Epos
behauptet muss doch zugeben, dass die Sage im Munde des
Volkes in Liedern lebte, wie er weiters nicht wird läugnen
können, dass das VIII. und XIV. Lied, jedes in seiner Art,
so bestimmt von ihrer Umgebung abgegrenzt, so ganz verschiedenen
Stiles sind, dass sie einem Autor mit dem ganzen
Epos zuzuschreiben, für Unkenntniss oder Unverstand gelten
müsste. Auf jeden Fall muss man die Existenz von Liedern
neben dem Epos zugeben. Nachdem nun die poetische Thätigkeit
nie gefeiert hat, wie das Sinken der Sage, die ausdrücklichen
Zeugnisse des Marners, des Textes C, des jüngeren
Titurels, das Eindringen einzelner jüngerer Züge in die späteren
Recensionen beweist; da überdies die Zeugnisse für die
Nibelungendichtung durch das ganze XII. Jahrhundert hinauflaufen,
die verwandten Quellen, Klage und Biterolf voran, obwohl
sie älter sind als unser Epos, doch deutliche Beziehungen
auf Nibelungenlieder enthalten, ist die Annahme der Existenz
verwandter Lieder, die gleichzeitig mit der Sammlung der Lieder
in diese nicht einbezogen wurden, eine logische Notwendigkeit.
Betrachten wir nun die Lieder unserer Sammlung nach Form
und Inhalt, so finden wir wesentliche Unterschiede, eine Abstufung
im Sinne des fortschreitenden höfischen Geschmacks;