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Muth. Ueber eine Schichte älterer, im Epos nachweisbarer Eibelnngenlieder. 633
Ueber eine Schichte älterer, im Epos nachweisbarer
Nibelungenlieder.
Mit einem Excurse über die innere Geschichte des XIV. Liedes und
einem Anhänge über das Linzer Bruchstück.
Von
Richard von Muth.
lJass das Nibelungenlied nicht der grossen, schöpferischen
Initiative eines Poeten sein Dasein verdankt, sondern ein
organisch erwachsenes Product der geistigen Strömung eines
Landes und seiner Stände ist, diese Ueberzeugung bricht sich,
je mehr man sich gewöhnt, litterarische Erzeugnisse und Ereignisse
nur im Zusammenhänge mit dem politischen Leben
und der Culturentwicklung des Volkes, d. h. nach historischen
Gesichtspuncten und nach den Grundsätzen der historischen
Kritik zu betrachten, desto entschiedener Bahn. Aber auch der
umständliche und doch nicht langwierige Process des Werdens
der Dichtung, der in eine Zeit gewaltiger geistiger Gährung
fällt, wobei ihre Gönner zu ihren Standesgenossen jenseits des
Böhmerwaldes sich verhalten wie die Stürmer und Dränger
zu den Kritikern und Classikern,. liegt Dank der selbst in
unseren Tagen seltenen philologischen Akribie, mit der gegenwärtig
die Textkritik der Nibelunge betrieben wird, in früher
ungeahnter Klarheit vor uns. Schrittweise ist das Epos geworden
und denen, die es zur Hand nahmen, war seine Genesis vertraut
und, was nicht der Name einer grossen Autorität schützte, verstümmelte
wohlmeinend und ungescheut Liebhaber und Taglöhner.
Die grossen Redactionen, stattgefunden haben sie
freilich, heben sich nicht scharf ab von Vor- und Zwischenstufen,
die sie vorbereiten und vermitteln: zwischen A*B*—C*
tritt eine Mittelclasse unbestimmbarer Stellung, wahrscheinlich
auf dem Wege von B* zu C*; aber diese Mittelclasse wieder
Sitzuugsber. d. phil.-hist. CI. LXXXIX. Bd. 11. Hft. 43