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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

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Lorenz.

Ganz  ähnlich  wie  in  Enns  wird  man  sich  nun  die  Grundverhältnisse ­
  in  Bezug  auf  Wien  vorstellen  können,  obwohl
leider  auch  hier  die  Quellen  der  ältesten  Geschichte  äusserst
dürftig  und  ungenügend  sind.  Nur  ist  man  jetzt  wenigstens
durch  die  Annales  Altahenses  versichert,  dass  der  Ort  bereits,
oder  wenn  man  will  noch  bestand,  bevor  die  babenbergische
Herrschaft  die  Grenzen  Noricums  überschreitend,  unterhalb  des
Wiener  Waldes  in  gesicherter  Weise  ausgebreitet  war.  Die
Katastrophe,  welcher  das  Heer  Kaiser  Konrads  II.  gegen  die
Ungarn  1030  unterlag,  ereignete  sich  nach  den  Altaicher
Annalen  zu  Wien.  Wie  es  scheint,  hatten  die  Deutschen  unter
den  alten  Befestigungen  von  Vindobona  Schutz  gesucht,  wurden
daselbst  ausgehungert  und  von  den  Ungarn  gefangen  genommen.
Die  Fortexistenz  des  alten  römischen  Standlagers  wäre  damit
jedenfalls  bewiesen,  und  dass  man  um  die  Mitte  des  12.  Jahrhunderts ­
  sehr  bestimmt  die  Ueberzeugung  hegte  der  neue  Ort
sei  die  Fortsetzung  einer  römischen  Ansiedlung,  beweist  der
bekannte  Umstand,  dass  man  auch  in  Urkunden  selten  vergass
der  römischen  Abstammung  Wiens  zu  gedenken,  wobei  es
natürlich  nebensächlich  war,  dass  man  dem  römischen  Ort
unrichtig  den  Namen  Favianae  beilegte, 1  eine  Verwechslung,
welche  gegen  die  wirkliche  Fortdauer  der  römischen  Befestigungen ­
  im  Zusammenhänge  mit  der  Stelle  der  Annales  Altahenses ­
  wohl  nichts  beweist.  Die  Frage  ist  nun  aber,  wer  hatte
die  Grundherrschaft  in  dem  alten  Orte,  als  sich  die  Grenzgrafschaften ­
  bis  an  die  Leitha  ausdehnten?
Da  hat  man  nun  die  älteste  und  zugleich  wichtigste
Verleihung  im  Viertel  unter  dem  Wiener  Walde  in  Betracht
zu  ziehen,  welche  vom  Kaiser  Heinrich  II.  herrührt  und  welche
wenigstens  beweist,  dass  im  Jahre  1002  das  Stück  von  Niederösterreich, ­
  in  welchem  Wien  liegt,  bereits  in  festem  Besitz
sich  befand.  Denn  die  Schenkung  des  Kaisers  an  den  Markgrafen ­
  umfasste  das  Land  zwischen  der  dürren  Liesing  und
Triesting,  ein  sehr  ausgedehntes  Gebiet,  welches  auch  später
den  wichtigsten  Theil  des  babenbergischen  Allodialbesitzes
bildete.  Da  nun  in  der  Schenkungsurkunde  zur  Vergrösserung
des  Besitzstandes  des  Markgrafen  noch  ein  Gebiet  zwischen

1  Doch  ist  zu  bemerken,  dass  die  urkundlichen  Datirungen  mit  Favie  oder
Faviane  erst  nach  der  bekannten  Notiz  Ottos  von  Freising  erscheinen.
            
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