Ueber den Unterschied von Reichsstädten und Landstädten.
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Den Ursprung des österreichischen Städtewesens vermag
man hauptsächlich deshalb nicht vollständig aufzudecken, weil
die Besitz- und Grundverhältnisse nach der Wiedererrichtung
der Ostmark ziemlich unsicher erscheinen und selbst die locale
Anknüpfung der neuen Städte an die alten römischen Befestigungen
überall ganz unklar ist. Sicher sind aber auch hier
städtische Anlagen auf kirchlichem Grund und Boden verhältnissmässig
früh vorhanden. Insbesondere war der ausgedehnte
passauische Grundbesitz liiefür entscheidend, und unter Wahrung
der passauisclien Vogteirechte entwickelten sich Eferding
und St. Pölten frühzeitig mit Vorrechten des Markts und des
Handels. Enns, welches schon von dem Markgrafen Luitbold
befestigt wurde, kam in den Besitz von St. Florian und unterstand
dessen grundherrschaftlichem Gericht bis in das 13. Jahrhundert.
Dass in Tuln noch im 13. Jahrhundert ein Vogtding
vorkommt, lässt ebenfalls auf ursprünglichen kirchlichen Grundbesitz
schlicssen; und man kann im Allgemeinen wohl annehmen,
dass der grösste Theil der Bewohner dieser Orte Eigenleute
der Kirchen waren, durch welche das Land colonisirt wurde.
Von freien Leuten ist jedenfalls bei allen städtischen Verhältnissen
Oesterreichs wenig zu entdecken, man müsste denn die
im 13. Jahrhundert in Neustadt neben den cives als honorabiles
milites (vgl. Winter, Urkdl. Beitr., XIII, Vorw.) bezeichneten
Bürger auf eine Classe von ursprünglich Freien zurückführen
wollen. Im Uebrigen erscheint die Mark überhaupt vorherrschend
von dinglich unfreien Grundholden bevölkert und die
grösseren zusammenhängenden Orte werden zunächst nach Hofrecht
behandelt worden sein. Maurer (a. a. 0., I. 96) rechnet
Enns gleich Freiburg im Uechtlande und Hamburg zu jenen
Orten, welche auf dem Grunde verschiedener Herrschaften
angelegt wurden und als gemischte Städte anzusehen wären. 1
Ob aber innerhalb der Stadtmark auch freie Leute neben
den Gotteshausleuten und den herzoglichen Burgmannen hier
wohnten, lässt sich keineswegs feststellen.
1 Die Stadt Enns erhielten die Traungauer nachher von Passau zu Lehn,
d. h. doch wohl nur den Antheil Passaus an der Stadtmark.