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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Herodot’s  Biographie.

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der  ihn  zwar  ausgiebig  benützte,  1  aber  die  Nachrichten  desselben ­
  dem  phrasenbedürftigen  Publikum  nach  allen  Kegeln
der  Rhetoren  zurecht  zu  machen  wusste;  daran  musste  man
eben  bis  zum  Ueberdruss  genug  haben,  bis  man  die  Reize  des
naiven  Erzählers  selber  wieder  zu  würdigen  vermochte.
So  darf  es  uns  nicht  wundern,  wenn  über  den  Verfasser
eines  solchen  Werkes  die  eigenen  Zeitgenossen  und  die  unmittelbar ­
  folgende  Generation  nichts  berichten,  in  der  Thätigkeit
  des  Tages  aufgehend,  so  dass  sie  nicht  einmal  zur  Aufzeichnung ­
  der  wichtigen  politischen  Ereignisse  Zeit  fanden.
Von  den  Späteren,  denen  das  Zutrauen  zu  des  Autors  Glaubwürdigkeit ­
  genommen  war,  ist  dies  um  so  weniger  zu  erwarten.
Dies  konnte  freilich  nur  so  lange  angehen,  als  man  nicht  begann ­
  an  der  Vergangenheit  ein  rein  gelehrtes  Interesse  zu
haben,  was  in  der  That  erst  dann  geschieht,  wenn  die  Gegenwart ­
  hervorragenden  Talenten  nichts  mehr  zu  geistiger  Erhebung ­
  bieten  kann.  So  ist  denn  auch  in  unserem  Falle  Herodot’s
nicht  gedacht  worden  bis  zur  Zeit  des  Unterganges  der
griechischen  Weltmonarchie,  und  zwar  vornehmlich,  bis  in
Alexandreia  die  Gelehrsamkeit  sich  aufthat,  der  wir  für  die
Kenntniss  griechischer  Vergangenheit  so  Ausserordentliches
verdanken.  Damals  ist  aber,  da  die  Ueberlieferung,  wie  wir
sahen,  nur  sehr  dürftig  sein  konnte,  das  Verlangen  gefühlt
worden  die  Lückenhaftigkeit  der  Nachrichten  über  Schriftsteller
zu  ergänzen,  an  deren  echter,  alter  Biederkeit  die  vom  Gelehrteneifer ­
  erfüllten  Generationen  sich  erfreuten,  welche  sie
eben  deshalb  wieder  hervorgesucht  hatten.  Dies  geschah  im
guten  und  schlimmen  Sinne,  je  nach  dem  historischen  Gewissen
derer,  die  an  diese  Frage  herantraten.  Erwägt  man  noch,
dass  diese  Resultate  der  Studien  der  Alexandriner  noch  mancherlei ­
  Umwandlungen  durchzumachen  hatten,  bis  sie  in  unsere
Hände  gelangten,  so  ist  nur  das  eine  zu  verwundern,  dass  man
im  allgemeinen  in  den  meisten  Stücken  diese  Nachrichten  geglaubt ­
  hat,  während  man  doch  ihrer  Genesis  nur  nachzugehen

1  Auch  Kirclihoff  im  Hermes  Bd.  XI,  der  delische  Bund  etc.  S.  6,  hat  dieselbe ­
  Ansicht  ausgesprochen;  deren  Richtigkeit  bestätigt  eine  Untersuchung ­
  des  Verhältnisses  von  Ephoros  zu  Herodot,  die  der  Verfasser
an  anderem  Orte  zu  führen  gedenkt.
            
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