Herodot’s Biographie.
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der ihn zwar ausgiebig benützte, 1 aber die Nachrichten desselben
dem phrasenbedürftigen Publikum nach allen Kegeln
der Rhetoren zurecht zu machen wusste; daran musste man
eben bis zum Ueberdruss genug haben, bis man die Reize des
naiven Erzählers selber wieder zu würdigen vermochte.
So darf es uns nicht wundern, wenn über den Verfasser
eines solchen Werkes die eigenen Zeitgenossen und die unmittelbar
folgende Generation nichts berichten, in der Thätigkeit
des Tages aufgehend, so dass sie nicht einmal zur Aufzeichnung
der wichtigen politischen Ereignisse Zeit fanden.
Von den Späteren, denen das Zutrauen zu des Autors Glaubwürdigkeit
genommen war, ist dies um so weniger zu erwarten.
Dies konnte freilich nur so lange angehen, als man nicht begann
an der Vergangenheit ein rein gelehrtes Interesse zu
haben, was in der That erst dann geschieht, wenn die Gegenwart
hervorragenden Talenten nichts mehr zu geistiger Erhebung
bieten kann. So ist denn auch in unserem Falle Herodot’s
nicht gedacht worden bis zur Zeit des Unterganges der
griechischen Weltmonarchie, und zwar vornehmlich, bis in
Alexandreia die Gelehrsamkeit sich aufthat, der wir für die
Kenntniss griechischer Vergangenheit so Ausserordentliches
verdanken. Damals ist aber, da die Ueberlieferung, wie wir
sahen, nur sehr dürftig sein konnte, das Verlangen gefühlt
worden die Lückenhaftigkeit der Nachrichten über Schriftsteller
zu ergänzen, an deren echter, alter Biederkeit die vom Gelehrteneifer
erfüllten Generationen sich erfreuten, welche sie
eben deshalb wieder hervorgesucht hatten. Dies geschah im
guten und schlimmen Sinne, je nach dem historischen Gewissen
derer, die an diese Frage herantraten. Erwägt man noch,
dass diese Resultate der Studien der Alexandriner noch mancherlei
Umwandlungen durchzumachen hatten, bis sie in unsere
Hände gelangten, so ist nur das eine zu verwundern, dass man
im allgemeinen in den meisten Stücken diese Nachrichten geglaubt
hat, während man doch ihrer Genesis nur nachzugehen
1 Auch Kirclihoff im Hermes Bd. XI, der delische Bund etc. S. 6, hat dieselbe
Ansicht ausgesprochen; deren Richtigkeit bestätigt eine Untersuchung
des Verhältnisses von Ephoros zu Herodot, die der Verfasser
an anderem Orte zu führen gedenkt.