392
Bauer.
wollen, als er es that. Mögen wir immerhin den Kampf der
Hellenen und Barbaren, den Herodot, wie er in der Einleitung
seines Werkes sagt, schildern will, erst mit der Eurymedonschlacht
beendet sehen, Herodot sah das Ende in der Belagerung
von Sestos, und da sollten wir nicht klüger sein wollen
und ihm dies zugestehen.
Wie Herodot zu seiner eigenen Zeit stand, das zeigt die
Art und Weise, in welcher er derselben gedenkt; vorübergehend
und an wenigen Stellen 1 nur berührt er Ereignisse,
die er selber erlebte. So sehr war er mit seiner Denkweise
abhängig von den grossen Eindrücken der in Kleinasien verbrachten
Jugendzeit, deren Ideale eben der Kampf und Sieg
der Griechen über die Barbaren waren. Ein solches Werk,
dem doch alles ferner liegt, als die Verherrlichung der neuen
athenischen Demokratie auch nur in einem seiner Theile, die
neuestens aus dem dritten Buche erschlossen worden ist, 2
musste in Vergessenheit gerathen, sobald die Erinnerung an
die grosse Vergangenheit der politischen Thätigkeit der Gegenwart
wich. Wie Thukydides in der Pentekontaetie damit umgeht,
ersieht man leicht: es wird deutlich, aber ohne den Autor
zu nennen, einzelnes rectificirt, im übrigen scheint es eben
schon für antiquirt und unlesbar gehalten worden zu sein, benützt
hat es Thukydides nicht. 2 So wurden Nachrichten unseres
1 Vgl. die Zusammenstellung der Notizen, die sich auf Ereignisse nach der
Belagerung von Sestos beziehen, bei Schöll Philol. 1854. Bd. IX. S. 196 f.
Dieselben können selbstverständlich nicht alle als von Herodot ,erlebt 4
bezeichnet werden, da ein guter Theil in seine frühe Jugend fällt.
2 Wilamowitz-Möliendorf im Hermes Bd. XII. 3. H. S. 326 f. macht dies
S. 331 Anm. 11 gegen Büdinger zu Gunsten der Kirchhoff’sclien Ansicht
geltend, vgl. Hachez, de Herod. itineribus et scriptis. Gotting. 1878, p. 5.
3 Die bezeichnendste Stelle bei Thukydides ist die über den Mord der
Kyloneer. Man vergleiche :
Thuk. I. 126.
Herod. V. 71.
KuXtov yjv ’OXuixTCiovfxrjs, avrjp
AOrjvaTcx;, xtov 7raXai euy£V7j<; X£ xat
ouvoctos .... ircetorj i^rjXOov ’OXupjtia
xa ev Il£Xo7:ovv7]<To), /ax£Xaße xrj v
axpo'^oXtv to$ in t xupavv(8i
avaaxijcjavxES oe auxou; ot xtov ’AQr]-vaicov
£7ctx£xpajj.p.£Voi XTjV jpuXaxrjv . . .
aTjayaYovxes cw^xxeivav.
TIv KuXtov xüjv ’AOrjva ito v avrj p
DXu [in io v{x.rj5 * ouxo<; etci xuoavv(oi
ix.dp.rjaE . . . . xaxaXaßEfv xrj v
dxp0 7:oXtv E^EiprjOr) xouxou;
aviaxacrt p.£V oi TtpuxaviES xwv vauxpaptov.
xouxou;