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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  die  weichen  e-Silben  im  Altböhmischen.

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der  langen  Silben  nie,  jie  .  .  .  wird  nicht  bestritten  und  ebenso
die  Möglichkeit  der  kurzen  ze,  se,  ce;  es  handelt  sich  also  nur
um  die  Silben  re,  le,  Se,  ce,  je,  ne  —  im  Gegensatz  zu  re,  ze,
Se,  ce,  je,  ne.  In  Bezug  auf  re  und  re  traue  ich  mir  zu  behaupten, ­
  dass  selbst  nach  der  heutigen  Sprachfertigkeit  der
Unterschied  ebenso  leicht  ausgedrückt  werden  kann,  wie  zwischen
ze  und  ze.  Beinahe  dasselbe  gilt  von  den  Silben  ze,  se,  ce;  sie
kommen  im  Neuböhmischen  nicht  vor,  das  Sprachorgan  hat
sie  «nicht  eingeübt,  ihre  Aussprache  gelingt  aber  dennoch  bei
einiger  Aufmerksamkeit  ganz  leicht.  Anders  verhält  es  sich
mit  je  und  ne;  es  ist  uns  in  der  That  schwer  zu  sagen,  wie
hier  das  e  nach  j  und  n  ausgesprochen  und  wie  diese  Silben
von  je  und  ne  deutlich  geschieden  wurden;  aber  daraus  folgt
nicht,  dass  sie  in  der  altböhmischen  Aussprache  unmöglich
gewesen  wären,  die  im  Passional  consequente  und  etymologisch
begründete  Unterscheidung  zwischen  ge  und  ne  einerseits  und
gie,  gye,  nie,  nye  andererseits  beweist  das  Gegentheil.
Ich  bleibe  also  bei  der  Ansicht,  dass  in  der  altböhmischcn
Aussprache  die  Silben  re  und  re  u.  s.  w.  phonetisch  verschieden ­
  waren;  und  was  die  lautliche  Geltung  des  geschriebenen ­
  e,  ie  und  ye  anbelangt,  so  scheint  mir  folgende  Aussprache ­
  die  wahrscheinlichste  zu  sein:  in  langen  Silben  gilt
geschriebenes  e  =  e,  geschriebenes  ie  und  ye  =  ie  (diphthongisch), ­
  z.  B.  inf.  rzecy  277  =  feci,  asl.  resti,  vzecy  480
=  uzeci,  asl.  zesti,  pl.  Dat.  dussyem  488  =  dusiem,  asl.
dusarni,  drziewie  294  =  dnevie,  asl.  drevije,  stogiece  284  =
stojfece,  asl.  stojeste,  sbozie  330  und  sbozye  333  =  zbozfe,
asl.  -ije;  —  in  kurzen  Silben  dagegen  ist  geschriebenes  e  =  e,
geschriebenes  ie  und  ye  =  e  auszusprechen,  z.  B.  rzebra  320
=  febra,  asl.  rebro,-  zgiewil  391  und  zgyewil  375  =  zjevil,
asl.  javih.,  rziecz  282  und  rzyecz  321  =  ree,  asl.  rech,  lcnyezie
337  und  knyezye  314  =  kniete,  asl.  -e  u.  s.  w.
III.
Nach  der  oben  allgemein  ausgesprochenen  Regel  soll  das
Altböhmische  in  Betreff  des  e  und  e  (resp.  e  und  ie)  mit  dem
Altslovenischen  übereinstimmen.  Hievon  finden  sich  im  Passional ­
  auch  Ausnahmen;  sie  sind  aber  nur  zum  Theile
            
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