Ueber die weichen e-Silben im Altböhmischen.
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der langen Silben nie, jie . . . wird nicht bestritten und ebenso
die Möglichkeit der kurzen ze, se, ce; es handelt sich also nur
um die Silben re, le, Se, ce, je, ne — im Gegensatz zu re, ze,
Se, ce, je, ne. In Bezug auf re und re traue ich mir zu behaupten,
dass selbst nach der heutigen Sprachfertigkeit der
Unterschied ebenso leicht ausgedrückt werden kann, wie zwischen
ze und ze. Beinahe dasselbe gilt von den Silben ze, se, ce; sie
kommen im Neuböhmischen nicht vor, das Sprachorgan hat
sie «nicht eingeübt, ihre Aussprache gelingt aber dennoch bei
einiger Aufmerksamkeit ganz leicht. Anders verhält es sich
mit je und ne; es ist uns in der That schwer zu sagen, wie
hier das e nach j und n ausgesprochen und wie diese Silben
von je und ne deutlich geschieden wurden; aber daraus folgt
nicht, dass sie in der altböhmischen Aussprache unmöglich
gewesen wären, die im Passional consequente und etymologisch
begründete Unterscheidung zwischen ge und ne einerseits und
gie, gye, nie, nye andererseits beweist das Gegentheil.
Ich bleibe also bei der Ansicht, dass in der altböhmischcn
Aussprache die Silben re und re u. s. w. phonetisch verschieden
waren; und was die lautliche Geltung des geschriebenen
e, ie und ye anbelangt, so scheint mir folgende Aussprache
die wahrscheinlichste zu sein: in langen Silben gilt
geschriebenes e = e, geschriebenes ie und ye = ie (diphthongisch),
z. B. inf. rzecy 277 = feci, asl. resti, vzecy 480
= uzeci, asl. zesti, pl. Dat. dussyem 488 = dusiem, asl.
dusarni, drziewie 294 = dnevie, asl. drevije, stogiece 284 =
stojfece, asl. stojeste, sbozie 330 und sbozye 333 = zbozfe,
asl. -ije; — in kurzen Silben dagegen ist geschriebenes e = e,
geschriebenes ie und ye = e auszusprechen, z. B. rzebra 320
= febra, asl. rebro,- zgiewil 391 und zgyewil 375 = zjevil,
asl. javih., rziecz 282 und rzyecz 321 = ree, asl. rech, lcnyezie
337 und knyezye 314 = kniete, asl. -e u. s. w.
III.
Nach der oben allgemein ausgesprochenen Regel soll das
Altböhmische in Betreff des e und e (resp. e und ie) mit dem
Altslovenischen übereinstimmen. Hievon finden sich im Passional
auch Ausnahmen; sie sind aber nur zum Theile