Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

322

Gebauer.

und  sedm  dm  ziv  byl  kresfan  (pl.  Gen.)  u  viere  potwrzugie
confirmans  ib.  =  potvrzu/e,  asl.  potvrxzduje,  pro  nezto  zahanbenie
  297  =  nezto,  1  asl.  ne  und  na  nyezto  (sc.  poklady)  se
ptas  429  =  ?iezto  (d.  i.  ?tezto),  asl.  ne.
Dagegen  dürfte  die  Einwendung  vorgebracht  werden,  dass
es  unmöglich  ist,  Silben  wie  ne  und  ne,  je  und  je  u.  dgl.  in
der  Aussprache  zu  unterscheiden,  ja  dass  die  Silben  ne  (d.  i.
ne)  und  je  unaussprechbar  seien  und  daher  der  altböhmischen
Aussprache  nicht  imputirt  werden  können.  Dazu  sei  zunächst
allgemein  bemerkt,  dass  es  nicht  angeht,  die  physiologische
Möglichkeit  altböhmischer  Silben  nach  der  Routine  des  neuböhmischen ­
  Sprachorgans  zu  beurtheilen;  es  ändert  sich  mit
der  Zeit  alles,  auch  die  Aussprache  und  die  Sprechkunst,  und
erscheint  etwas  in  der  heutigen  Aussprache  unmöglich,  so  folgt
daraus  noch  nicht,  dass  es  seit  jeher  und  überhaupt  unmöglich
war.  Ferner  gehen  wir  zu  den  einzelnen  Silben  über,  um
deren  Unterscheidung  es  sich  handelt,  und  nehmen  wir  dabei
an,  dass  das  handschriftliche  ie  und  ye  im  Ganzen  so  lauten
soll,  wie  die  geschriebenen  Buchstaben  zeigen,  also  ie  (diph ;
fhongisch)  in  langen  und  e  in  kurzen  Silben.  Die  Möglichkeit

1  Das  geschriebene  nezto  ist  nezto  auszusprechen  und  ebenso  das  geschriebene ­
  z  neho  396  =  z  neho,  k  nemu  275  =  k  nemu,  v  nein  280
=  v  nem,  ohnem  300  —  ohnem,  snem  (part.  praet.)  323  =  snem,
naplnen  275  =  napliien  u.  s.  w.  Bisher  glaubte  man  hier  ein  hartes  ne
lesen  zu  müssen,  aber  die  Regel  des  Passionais  widerspricht  dieser  Ansicht; ­
  es  besteht  hier  zwischen  ne  und  n$  derselbe  Unterschied,  wie
zwischen  ce  und  ce,  re  und  re  u.  s.  w.,  und  wenngleich  das  erstere  blos
ne  geschrieben  wird,  so  war  hier  die  Liquida  im  Altböhmischen  eben  so
weich,  wie  im  entsprechenden  altslavischen  ne,  nego,  nemu,  nemi,
ognemi,  ogntmi,  napltuem  (Miklosich,  Gramm.  I.  166  ff.).  Einen  deutlichen ­
  Beweis  hiefür  enthält  auch  das  Dalimil-Eragment  der  Prager  Universitätsbibliothek. ­
  Dieses  Denkmal  zeigt  bis  auf  wenige  Ausnahmen  in
Betreff  der  weichen  e-Silben  dieselbe  Regelmässigkeit,  wie  das  Passional
und  zeichnet  sich  ausserdem  noch  dadurch  aus,  dass  es  die  weichen
Consonanten  n,  d\  t  durch  die  Buchstabenverbindungen  nh,  dh,  th  bezeichnet, ­
  z.  B.  n/iiczs  =  ?ucs,  wzci/iiel  vztfel,  dosZ/ii  —  dosfi.  Dadurch ­
  ist  es  im  Stande,  die  Lautverbindungen  ne,  ne  und  ne  (d.  i.  ne)
in  der  Schrift  deutlich  zu  unterscheiden,  z.  B.  przinezl,  d.  i.  pfinesl,
skon/iem,  d.  i.  s  konern  und  kra/iiezem,  d.  i.  knezem,  und  das  nach  dieser
Schreibweise  geschriebene  konAem  beweist,  dass  das  analoge  ohnem  des
Passionais  nicht  ohnem,  sondern  ohnem  ausgesprochen  wurde.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.