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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Ueber  die  weichen  e-Silben  ira  Altböhmiscben.

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geschaltet  ist;  z.  B.  rzekl  276 ;  asl.  rekli,  rzecy  277,  asl.  resti,
pomocen  362,  asl.  pomostenx,  duostogen  324,  duostoyen  299  =
duostoj-e-n,  asl.  dostojn’b.
'  In  ähnlicher  Weise  stimmen  in  diesen  Silben  die  Lehnwörter ­
  mit  ihren  Originalien  überein,  z.  B.  rzehorz  285,  lat.  Gregorius,
  hrziekowe  403,  lat.  Graecus,  ahd.  Krz'ach,  mhd.  Kriech.
Diese  Regel  gilt  zunächst  von  dem  geschriebenen
Texte  des  Passionais.  Sie  zeichnet  sich  aber  durch  zwei  Eigenschaften ­
  aus,  die  uns  berechtigen,  ihre  Geltung  über  das  Passional
  hinaus  auszudehnen.  Sie  beruht  nämlich  erstens  auf
einem  festen  etymologischen  Grunde,  indem  der  Unterschied ­
  zwischen  dem  geschriebenen  e  und  ie  oder  ye  mit  dem
verschiedenen  Ursprünge  dieser  Yocale  zusammenfällt  und  zusammenhängt ­
  (Gen.  otcye,  älter  otca,  asl.  oteca,  Instr.  otcem,
asl.  otbctinb);  und  zweitens  ist  sie  mit  einer  Consequenz
durchgeführt,  wie  sie  hei  blos  orthographischen  Regeln  nicht
vorzukommen  pflegt.  Diese  beiden  Eigenschaften  beweisen,
wie  ich  glaube,  unwiderlegbar,  dass  die  in  der  geschriebenen
Form  des  Passionais  gefundene  Regel  keine  blos  mechanische,
orthographische  sein  könne,  sondern  in  der  wirklichen  al  tböhmischen
  Aussprache  ihren  Grund  gehabt  haben  müsse,
dass  eine  gleiche  Regel  und  Regelmässigkeit  auch  in  der  altböhmischen ­
  Aussprache  geherrscht  habe;  es  ist  nicht  denkbar,
dass  der  Schreiber  des  Passionais  so  consequent  und  etymologisch
richtig  geschrieben  hätte,  wenn  er  nicht  dieselbe  Consequenz
und  etymologische  Richtigkeit  in  der  lebendigen  Sprache  seiner
Zeit  vorgefunden  hätte.
Dies  schliesst  aber  auch  die  Behauptung  in  sich,  dass  die
altböhmische  Aussprache  nicht  nur  ze  und  ze,  se  und  se,  ce
und  ce  genau  unterschieden  habe,  sondern  auch  re  (geschrieben
rze-)  und  fe  (geschrieben  rzie-  oder  rzye-),  ze  und  ze,  se  und
se,  ce  und  Se,  ja  auch  je  und  je,  ne  (geschrieben  ne-)  und  ne
(d.  i.  ne,  geschrieben  nie-  oder  nye-);  z.  B.  rzekl  280  =  rekl,
asl.  rekh.  und  rzieka  312  =  feka,  asl.  reka,  kaze  praedicat  292
=  kkze,  asl.  kazeti.  und  kazie  umfei  praedicans  mortuus  est  411
=  kaze,  asl.  kaze,  pisse  scribit  275  =  pise,  asl.  pisetu»  und  pissye
scribens  486  =  pRe,  asl.  pise,  an  placze  374  =  pldce,  asl.
plaöefrb  und  ja  placzie  fku  309  =  pläce,  asl.  place,  svaty  Ambroz
  potwrzuge  confirmat  346  =  potvrziye,  asl.  potvru>zdujeti
            
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