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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 89. Band, (Jahrgang 1878)

Analecten  zur  Geschichte  der  Reformation  und  des  Humanismus  in  Schwaben.  101

Verkehrs  mit  ihm  rühmt  (cf.  z.  B.  XL,  XLIII,  XLIX).  Man  wird  es
Hummelberger  gern  glauben,  dass  jener  Philophoebus  —  so  nannte
sich  der  Schwindler  —  für  die  ganze  Richtung  und  Luther,  dessen
Freund  zu  sein  er  vorgab,  discreditirend  wirken  musste.
Mit  dem  Bauernkriege  begann  die  Wandlung  bei  den
Meisten;  die  Art  und  Weise  wie  Hummelberger  über  einen
unglücklichen  Prediger  spricht,  dem  die  Augen  ausgerissen
wurden,  ist  sehr  wenig  nach  unserem  humanen  Geschmacke,
auch  die  moralisch  sein  sollenden  Bemerkungen,  die  sich  daran
knüpfen,  verrathen  grosse  Befangenheit  und  Engherzigkeit,  sie
leiten  gut  hinüber  zu  den  bitterbösen  Ergüssen  Pirkheimer’s
gegen  die  Sache,  die  er  selbst  einst  begeistert  verehrte.  Für
die  Charakteristik  eines  grossen  Theiles  der'  damals  Lebenden ­
  ist  die  Correspondenz  Hummelberger’s  mit  Pirkheimer
(Nr.  LXVIII,  LXIX,  LXXI,  LXXII)  über  den  Verlauf  der
kirchlichen  Bewegung  ausserordentlich  lehrreich.

Schliesslich  noch  wenige  Worte  über  die  Art  dieser  Edition. ­
  Ich  hin  diessmal  von  der  Angabe  von  Citaten  aus  Classikern,
die  sich  im  Texte  der  Briefe  finden,  beinahe  völlig  abgegangen,
und  zwar  einerseits  aus  dem  Grunde,  weil  alle  Humanistenbriefe
von  bewussten  und  unbewussten  Entlehnungen  strotzen,  andererseits ­
  aber  der  Nachweis  den  Kennern  nichts  nützt,  im  Allgemeinen ­
  die  grosse  Mühe,  die  derselbe  verursacht,  durch  die  endliche ­
  Darlegung  einzelner  Stellen,  von  denen  man  beiläufig  ja
doch  die  Provenienz  wusste,  nicht  gelohnt  wird.  Bei  der  Wiedergabe ­
  des  so  verderbten  Textes  habe  ich  von  Emendationen  fast
ganz  abgesehen  und  auch  arge  Widersinnigkeiten  stehen  lassen;
die  Emendation  ist  eben  nicht  meine  Sache  und  mag  Berufeneren
überlassen  bleiben.  Ueberhaupt  geht  meine  Ansicht  dahin,  man
möge  bei  Humanistenbriefen  nur  frisch  den  Text  abdrucken  und
sich  mit  dem  nebensächlichen  Beiwerk  nicht  auf  halten;  die  Fülle
des  edirten  Stoffes  wird  dann  selbst  gewisse  Beziehungen  u.  s.  w.
erklären. 1  Es  gibt  ja  in  der  Wissenschaft  viel  lohnendere  Aufgaben ­
  und  lässt  sich  Zeit  und  Arbeitskraft  zweifellos  besser  verwenden. ­


1  Freilich  darf  es  dann  bei  keiner  Publication  an  sorgfältigen  Personenregistern ­
  fehlen.
            
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