Analecten zur Geschichte der Reformation und des Humanismus in Schwaben. 101
Verkehrs mit ihm rühmt (cf. z. B. XL, XLIII, XLIX). Man wird es
Hummelberger gern glauben, dass jener Philophoebus — so nannte
sich der Schwindler — für die ganze Richtung und Luther, dessen
Freund zu sein er vorgab, discreditirend wirken musste.
Mit dem Bauernkriege begann die Wandlung bei den
Meisten; die Art und Weise wie Hummelberger über einen
unglücklichen Prediger spricht, dem die Augen ausgerissen
wurden, ist sehr wenig nach unserem humanen Geschmacke,
auch die moralisch sein sollenden Bemerkungen, die sich daran
knüpfen, verrathen grosse Befangenheit und Engherzigkeit, sie
leiten gut hinüber zu den bitterbösen Ergüssen Pirkheimer’s
gegen die Sache, die er selbst einst begeistert verehrte. Für
die Charakteristik eines grossen Theiles der' damals Lebenden
ist die Correspondenz Hummelberger’s mit Pirkheimer
(Nr. LXVIII, LXIX, LXXI, LXXII) über den Verlauf der
kirchlichen Bewegung ausserordentlich lehrreich.
Schliesslich noch wenige Worte über die Art dieser Edition.
Ich hin diessmal von der Angabe von Citaten aus Classikern,
die sich im Texte der Briefe finden, beinahe völlig abgegangen,
und zwar einerseits aus dem Grunde, weil alle Humanistenbriefe
von bewussten und unbewussten Entlehnungen strotzen, andererseits
aber der Nachweis den Kennern nichts nützt, im Allgemeinen
die grosse Mühe, die derselbe verursacht, durch die endliche
Darlegung einzelner Stellen, von denen man beiläufig ja
doch die Provenienz wusste, nicht gelohnt wird. Bei der Wiedergabe
des so verderbten Textes habe ich von Emendationen fast
ganz abgesehen und auch arge Widersinnigkeiten stehen lassen;
die Emendation ist eben nicht meine Sache und mag Berufeneren
überlassen bleiben. Ueberhaupt geht meine Ansicht dahin, man
möge bei Humanistenbriefen nur frisch den Text abdrucken und
sich mit dem nebensächlichen Beiwerk nicht auf halten; die Fülle
des edirten Stoffes wird dann selbst gewisse Beziehungen u. s. w.
erklären. 1 Es gibt ja in der Wissenschaft viel lohnendere Aufgaben
und lässt sich Zeit und Arbeitskraft zweifellos besser verwenden.
1 Freilich darf es dann bei keiner Publication an sorgfältigen Personenregistern
fehlen.