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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Mittheilungen  ans  altdeutschen  Handschriften.

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den  in  ganz  grober  Sprache  abgefassten  Gedichten  Baiern-Oesterreichs
  vom  13.  bis  15.  Jahrhundert  auf  hochdeutscher
Basis,  da  sie  an  hochdeutschen  Dichtungen  gelernt  und  geübt
wurde.  Manche  Lautübergänge,  z.  B.  die  im  Anlaut  stattlindenden, ­
  können  im  Reime  gar  nicht  Vorkommen;  von  manchen
ist  es  durch  die  schwankende  Schreibung  zweifelhaft,  ob  sie
im  Reime  geltend  gemacht  wurden;  einige  endlich,  an  und  für
sich  nicht  häufig,  wagte  man  nicht  reimend  zu  verwenden.
Kurz  lassen  sich  die  Eigenthümlichkeiten  des  Lautstandes
im  Speculum  so  zusammenfassen:
Vocale:  immer  ei  für  ?,  ui  für  ei,  aw  für  ü  und  ou,  ue
für  wo,  «it  für  iu,  aber  auch  ei  für  in.  Etwa  zur  Hälfte  der
Fälle  wird  ä  :  ö,  ö  :  ä;  schon  weniger  häufig  ä  :  b,  6  :  ä.  Die
Uebergänge  von  a  und  o  finden  vorzugsweise  statt  in  starkbetonten ­
  Stammsilben  und  wieder  insbesondere  in  einsilbigen
mit  der  Hebung  bedachten  Wörtern.  Gar  nicht  kommt  solcher
Lautwechsel  vor  in  Silben,  die  in  der  Senkung  stehen  oder  in
den  meistgebrauchten  Wörtchen.  Also  nie  on  dor  wos  u.  s.  w.
Dagegen  sind  dö  und  da  vollkommen  vermengt,  y  steht  oft
für  i,  ö  für  o,  beide  ohne  Bedeutung.  *  ü  ü  werden  vor  r  zu
ie  ue  iie,  d.  h.  zu  Längen, 1  *  auch  immer  vor  ch  (cht).  ei  und
eu  stehen  für  ie:  1.  in  einzelnen  schweren  Worten,  z.  B.  fast
immer  leuf  für  lief;  2.  immer  seu,  sei  für  sie,  iceu  für  wie,  oft
deu  für  die.  ai  aus  age  ist  sehr  häufig.  Merkwürdig  scheint,
dass  mit  ein  paar  Ausnahmen  immer  weingk  —  weniglc  gebraucht
und  als  einsilbig  gezählt  wird.  Dazu  gehört  auch  das  seltenere
maingk  für  manigk.  i  ist  in  den  Endungen  (bis  auf  zwelif)
stets  e  geworden.
Im  Consonantismus  ist  zunächst  der  Wechsel  zwischen  w
und  b  überaus  häufig,  wenn  auch  nicht  durchstehend.  Baal
wird  regelmässig  zu  Well.  Im  Anlaut  steht  oftmals  p  für  b,
sehr  oft  f  für  b  im  Inlaut,  immer  afer.  —  ch  stets  für  k,  oft
kch  geschrieben,  ohne  dass  dabei  eine  andere  Regel  als  die
Bevorzugung  des  Auslautes  gälte.  Auch  für  h  im  Inlaut  meistens ­
  ch,  wie  zahlreiche  Reime  (leichen  :  reichen)  beweisen.
Immer  ch  für  h  vor  t.  Ein  paar  Mal  sogar  ch  für  das  sonst

1  Dagegen  vierzehn  stumpfe  Reime  zwischen  ue  aus  uo  und  ue  aus  ü  vor
r,  meist  fiter  :  spuer.
            
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