Mittheilungen ans altdeutschen Handschriften.
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den in ganz grober Sprache abgefassten Gedichten Baiern-Oesterreichs
vom 13. bis 15. Jahrhundert auf hochdeutscher
Basis, da sie an hochdeutschen Dichtungen gelernt und geübt
wurde. Manche Lautübergänge, z. B. die im Anlaut stattlindenden,
können im Reime gar nicht Vorkommen; von manchen
ist es durch die schwankende Schreibung zweifelhaft, ob sie
im Reime geltend gemacht wurden; einige endlich, an und für
sich nicht häufig, wagte man nicht reimend zu verwenden.
Kurz lassen sich die Eigenthümlichkeiten des Lautstandes
im Speculum so zusammenfassen:
Vocale: immer ei für ?, ui für ei, aw für ü und ou, ue
für wo, «it für iu, aber auch ei für in. Etwa zur Hälfte der
Fälle wird ä : ö, ö : ä; schon weniger häufig ä : b, 6 : ä. Die
Uebergänge von a und o finden vorzugsweise statt in starkbetonten
Stammsilben und wieder insbesondere in einsilbigen
mit der Hebung bedachten Wörtern. Gar nicht kommt solcher
Lautwechsel vor in Silben, die in der Senkung stehen oder in
den meistgebrauchten Wörtchen. Also nie on dor wos u. s. w.
Dagegen sind dö und da vollkommen vermengt, y steht oft
für i, ö für o, beide ohne Bedeutung. * ü ü werden vor r zu
ie ue iie, d. h. zu Längen, 1 * auch immer vor ch (cht). ei und
eu stehen für ie: 1. in einzelnen schweren Worten, z. B. fast
immer leuf für lief; 2. immer seu, sei für sie, iceu für wie, oft
deu für die. ai aus age ist sehr häufig. Merkwürdig scheint,
dass mit ein paar Ausnahmen immer weingk — weniglc gebraucht
und als einsilbig gezählt wird. Dazu gehört auch das seltenere
maingk für manigk. i ist in den Endungen (bis auf zwelif)
stets e geworden.
Im Consonantismus ist zunächst der Wechsel zwischen w
und b überaus häufig, wenn auch nicht durchstehend. Baal
wird regelmässig zu Well. Im Anlaut steht oftmals p für b,
sehr oft f für b im Inlaut, immer afer. — ch stets für k, oft
kch geschrieben, ohne dass dabei eine andere Regel als die
Bevorzugung des Auslautes gälte. Auch für h im Inlaut meistens
ch, wie zahlreiche Reime (leichen : reichen) beweisen.
Immer ch für h vor t. Ein paar Mal sogar ch für das sonst
1 Dagegen vierzehn stumpfe Reime zwischen ue aus uo und ue aus ü vor
r, meist fiter : spuer.